Klimaresilienz

Im von German Watch zuletzt 2021 veröffentlichten Globa­­-len Klima-Risiko-Index (KRI) belegte Deutschland weltweit Platz 18. Diese Platzierung im KRI bezieht sich auf eine Durchschnittsbetrachtung des Zeitraums von 2000 bis 2019. Sie zeigt, dass Deutschland von Wetterextremen deutlich stärker betroffen ist als die meisten anderen Länder. Als Infrastrukturbetreiber und mit dem Ziel, durch den Ausbau des Schienen­verkehrs die Verkehrsverlagerung voranzutreiben, sind wir in unserem Kerngeschäft, der Eisenbahn in Deutschland, von den Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland besonders stark betroffen. Dies belegen auch die von uns in 2018 und 2021 beauftragten Studien des Potsdam-Instituts für Klima-folgenforschung (PIK).

Auch 2022 waren wir mit mehreren Extremwetterereignissen in Deutschland konfrontiert: U. a. verschiedene Sturmtiefs haben zu Schäden im DB-Konzern in einer Größenordnung von annähernd 100 Mio. € geführt und die Betroffenheit des Schienenverkehrs von physischen Klimarisiken einmal mehr verdeutlicht. Das unterstreicht die anhaltend hohe Bedeutung des Themas Klimaresilienz für uns.

Analyse von Klimaszenarien

2021 untersuchte das von uns erneut beauftragte PIK in einer Studie die klimatischen Veränderungen in Deutschland bis 2060 und deren erwartete Auswirkungen auf die DB-Schieneninfrastruktur anhand von zwei Klimaszenarien des Weltklimarats: RCP 2.6 (Einhalten des 2 °C-Ziels) und RCP 8.5 (»weiter wie bisher«). Im Ergebnis werden deutlich mehr Hitzetage und weniger harte Winter erwartet. Gleichzeitig werden Wetterextreme wie Starkregen und die Intensität von Sturmereignissen weiter zunehmen. Die Studie weist erstmals auch detaillierte Prognosen zu den klimatischen Auswirkungen in den 34 Verkehrsregionen von DB Netze Fahrweg aus. Diese Erkenntnisse, ebenso wie die angewendete Methodik, bilden eine wichtige Grundlage für weitergehende Klimawirkungsanalysen in den anderen Bereichen der Eisenbahn in Deutschland. Dabei erfassen wir bereits detailliert die finanziellen Auswirkungen von Extremwetterereignissen im Rahmen von Großschadensereignissen. 2022 wurden die spezifischen Anforderungen an die Datengrundlagen formuliert. Diese umfassen neben klimatologischen Parametern wie der Anzahl an Hitzetagen auch betroffene Anlagenarten (Assets) wie z. B. Signaltechnik. Diese unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigen wir in den Klimawirkungsanalysen, die im Rahmen des Chancen-Risiko-Managements durchgeführt werden sollen. Im Ergebnis können wir dann konkrete Anpassungsmaßnahmen identifizieren und bewerten, um die Resilienz des DB-Konzerns gegenüber Wetterextremen weiter zu erhöhen.

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel

Vor dem Hintergrund der erwarteten zukünftigen Entwicklung von Wetterextremen sowie des gleichzeitigen Ausbaus des Schienenverkehrs in Deutschland setzen wir diverse Maßnahmen um, um die Folgen des Klimawandels auf den DB-Konzern abzumildern: Bei der DB Netz AG befasst sich die Abteilung »Naturgefahrenmanagement« mit Extremwetterereignissen und Klimafolgenanpassung, um negative Aus­wirkungen auf die Schieneninfrastruktur auf ein Minimum zu reduzieren. Das Naturgefahrenmanagement hat hierfür drei Kernbereiche identifiziert. Neben dem Vegetationsmanagement zur Sturmprävention werden auch das Wintermanagement und die Hitzeprävention strategisch weiterentwickelt. So werden z. B. verschiedene Technologien erprobt, die sensible Bauteile in der Leit- und Sicherungstechnik vor immer längeren und intensiveren Hitzewellen schützen sollen. Außer­dem wurde gemeinsam mit der Industrie eine zuggestützte Böschungsbewässerung zur Betriebserprobung freigegeben, die zukünftig die Durchführung von feuergefährlichen Arbeiten wie dem Schweißen von Schienen auch in Dürreperioden sicher ermöglicht.