Digitalisierung und Innovation
Ganzheitliche Entwicklung
Die ganzheitliche Entwicklung der Bahnhöfe wurde 2024 fortgesetzt. Um einen Beitrag zur Erreichung der verkehrspolitischen Ziele leisten zu können, müssen Bahnhöfe gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen ganzheitlich entwickelt werden. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre wird deutlich, dass ganzheitliche Aufwertungs- und Entwicklungsmaßnahmen spürbar positive Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Kund:innen haben. Die Maßnahmen sind auch erforderlich, um den hohen Nachholbedarf zu reduzieren. 2024 wurden 113 weitere ganzheitlich entwickelte Bahnhöfe, darunter auch 20 kleinere Bahnhöfe an der Riedbahn sowie viele weitere Zubringer-, S-Bahnhöfe und einige Knotenbahnhöfe, deutschlandweit zukunftsfähig modernisiert.
Neu gestaltete Innenbereiche, moderne Sitzgelegenheiten, erweiterte Wegeleitsysteme und attraktive Vorplätze sind einige Aspekte, die wichtig sind, um ganzheitlich entwickelte Bahnhöfe zu schaffen. Abgeleitet aus Erkenntnissen der Kundenzufriedenheit wurden Qualitätsstandards entwickelt und zu einer Methodik »Zukunftsbahnhof« zusammengeführt. Die Standards dieser Methodik werden mit dem EBA und dem Bund gemeinsam definiert.
Kompetenzstelle Bahnhofsvorplatz und Anschlussmobilität
DB InfraGO arbeitet seit 2024 daran, mit der »Kompetenzstelle Bahnhofsvorplatz und Anschlussmobilität« eine ganzheitliche Entwicklung im Bahnhofsumfeld umzusetzen. Ziel ist es, gemeinsam mit Kommunen, Ländern und Aufgabenträgern standortspezifische Vorplätze zu entwickeln, die einen positiven Beitrag zur Stadt- und Quartiersentwicklung leisten. Ein interdisziplinäres Team berät zu geeigneten Fördermitteln, erarbeitet Konzepte auf Basis von Potenzialanalysen und unterstützt bei der Gestaltung von Flächen. Die Kompetenzstelle berücksichtigt auch Klimaresilienzmaßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung, Verschattung und Wasserretention in ihren Vorplatzkonzepten.
Kapazitäts- und Frequenzmanagement
Kapazitätsmanagement ist von hoher Bedeutung für die Bahnhöfe. Um das prognostizierte Reisendenwachstum zu ermöglichen, muss die Leistungsfähigkeit der Bahnhöfe mit geeigneten Maßnahmen weiterentwickelt werden. Der Deutschland-Takt fließt maßgeblich in die Reisendenprognose 2040 ein, auf deren Basis die Abschätzung etwaiger Kapazitätsbedarfe für die Bahnhöfe erfolgt.
- Seit 2021 wurden bereits mehr als 350 Verkehrsstationen mittels eines Kapazitäts-Checks analysiert. Dadurch wurden kapazitative Hindernisse und Engstellen standardisiert festgestellt und Maßnahmen zur Behebung eingeleitet. Einige Kurzfristmaßnahmen wurden bereits umgesetzt, wie bspw. das Beräumen von Bahnsteigen. Durch eine Beräumung der Bahnsteige und die Anwendung eines einheitlichen Ordnungssystems an allen Bahnsteigen sollen die bestehenden Verkehrsflächen besser genutzt werden und die Reisenden sich dadurch besser auf den Bahnsteigen verteilen.
- Das Frequenzmanagementsystem ist ein wichtiges Instrument zur Erkennung von Kapazitätsengpässen. Mit einer Echtzeitmessung mittels Videotechnik lässt sich ein Anstieg des Reisendenaufkommens frühzeitig erkennen und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von akuter Überfüllung ergreifen. Die Videodaten können auch dazu genutzt werden, längerfristige Maßnahmen abzuleiten oder deren Effekt zu verifizieren. Dadurch können auch umfangreiche und kostenintensive bauliche Maßnahmen vermieden werden. Per 31. Dezember 2024 waren 46 Bahnhöfe mit einem Frequenzmanagementsystem ausgestattet. Insgesamt planen wir, 100 Stationen mit einem Frequenzmanagementsystem auszustatten.
WLAN an Bahnhöfen
Am Jahresende 2024 stand an über 600 Bahnhöfen ein kostenloses WLAN-Angebot zur Verfügung. Die Realisierung dieses Angebots erfolgt sowohl durch DB-eigene WLAN-Installationen als auch über WLAN-Netzwerke von Kooperationspartnern. Damit erreicht das WLAN-Angebot an Bahnhöfen bereits mehr als die Hälfte aller Reisenden pro Tag. Nachdem Ende 2023 die Vergabe einer Dienstleistungskonzession an einen neuen Kooperationspartner erfolgt ist, wurden im Dezember 2024 im Großraum München die ersten zwei WLAN-Installationen im neuen Kooperationsmodell als Musterstationen fertiggestellt.
Ausbau der Online-Kanäle
Der digitale Kanal bahnhof.de wurde weiter ausgebaut. Zusätzlich wurden auf der Internetseite größere regionale Individualität und Informationstiefe für die abgeschlossenen Standorte ergänzt. Um die Barrierefreiheit zu verbessern, wurden bspw. bei unseren Bahnhofskarten die Screenreader optimiert, um auch seheingeschränkten Menschen wichtige Orientierung in den Bahnhöfen zu bieten.
Smart Cities
Mit Smart Cities | DB wollen wir den Lebensalltag der Menschen durch intelligente und umweltfreundliche Angebote und Bahnhöfe in Kommunen und Städten verbessern. 2024 konnten wir weitere Maßnahmen umsetzen:
- Click&Collect-Service: »Box – Die Abholstation« ist eine Logistiklösung auf der letzten Meile. Mit rund 400 Standorten bieten wir in Deutschland das größte Netzwerk an anbieteroffenen Packstationen.
- Mobility Hubs&E-Laden: Im Bereich Mobility wurden 2024 weitere Angebote an Bahnhöfen geschaffen. Am Jahresende 2024 gab es 66 Mobility Hubs mit über 20 Sharing-Anbietern. Darüber hinaus wurden in Kooperation mit Kommunen, Verkehrsunternehmen und Aufgabenträgern verschiedene Mobility Hubs realisiert.
- Micro-Depots: Micro-Depots können anbieterübergreifend angefahren und nach dem Multi-User-Prinzip logistisch genutzt werden. Die Zustellung erfolgt dann über emissions- und geräuscharme Kleinfahrzeuge. 2024 wurden u. a. neue Micro-Depots in Hamburg-Altona und Berlin eröffnet.
- Smart-Cities-Partnerschaften: Im Rahmen der bestehenden Partnerschaft mit der Freien und Hansestadt Hamburg haben wir auch 2024 einen Hackathon durchgeführt, um neue Ideen und Lösungen zu entwickeln, die den ÖPNV inklusiver, komfortabler und zugänglicher machen sollen. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover wurden im Hauptbahnhof Maßnahmen zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit umgesetzt. Im Oktober 2024 haben wir mit der Landeshauptstadt Potsdam eine weitere Smart-Cities-Partnerschaft zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Anschlussmobilität an ausgewählten Bahnhöfen geschlossen. Das Projekt wird mit Fördermitteln des Bundesprogramms »Modellprojekte Smart Cities« finanziert.
- Aufenthaltsqualität: Produktentwicklungen für Aufenthaltsqualität, Klimaanpassungsmaßnahmen, subjektive Sicherheit und neue Nutzungskonzepte wurden 2024 weiterentwickelt. Am Standort Hamburg-Harburg wird auch 2025/2026 mit finanzieller Unterstützung der Freien und Hansestadt Hamburg die Planung vorangetrieben, den Bahnhofsvorplatz zu einem attraktiven und klimaresilienten Mobilitätsknotenpunkt (z. B. durch Überflutungsvorsorge und Hitzeschutz) zu transformieren.
Konsumangebot am Bahnhof
Wir tragen mit rund 160 Neueröffnungen und 90 Modernisierungen auf unseren Mietflächen 2024 zu einem attraktiven und abwechslungsreichen Angebot für unsere Kunden bei.
Darüber hinaus verproben wir mit einem regelmäßigen Wechsel der Partner stetig neue Konzepte in Pop-up-Stores für den Reisendenbedarf im Bahnhof.
Wir implementieren somit ein vielfältiges Angebot von Produkten am Bahnhof und forcieren auf den Flächen unserer Geschäftspartner einen schnellen Verkauf mit wenig Wartezeit, u. a. durch digitale Zahlungssysteme, einen nachhaltig gestalteten Ladenbau und bewusstes Warteschlangenmanagement.
Zusammenarbeit mit den Bahnhofsmissionen
Die Bahnhofsmission ist ein wichtiger Partner im Sozialraum Bahnhof. In diesem Rahmen stellt DB InfraGO der gemeinnützigen Organisation die Räumlichkeiten mietkostenfrei zur Verfügung und übernimmt u. a. die anfallenden Instandhaltungen der Räume sowie von Heizungs-, Toiletten- und elektrischen Anlagen. Zur verstärkten und koordinierten Unterstützung der Bahnhofsmission ist durch DB InfraGO im April 2024 der Aktionskreis »Starke Bahnhofsmission« ins Leben gerufen worden. Hiermit sollen Maßnahmen in den Bereichen Infrastruktur, Finanzen und Personal zugunsten der Bahnhofsmission fokussierter umgesetzt werden.