Märkte und Strategie
Die Trassennachfrage ist 2024 gesunken. Wesentliche Gründe sind die Auswirkungen aus den Streiks der GDL und dem Unwetter Radha sowie die Absatzentwicklungen im Schienenpersonennahverkehr und Schienengüterverkehr. In den nächsten Jahren wird eine Erholung und somit ein Wachstum über alle Verkehre erwartet. Generalsanierungen im Hochleistungsnetz führen kurzfristig zu einer Kapazitätsverknappung und sollen gleichwohl langfristig das Wachstum stützen.
Die kunden- und marktgerechte Weiterentwicklung der Infrastruktur soll dem gesamten Eisenbahnverkehrssektor die Ausschöpfung von Wachstumspotenzialen ermöglichen. Mit diesem Ziel sind in die Strategie Starke Schiene die strategischen Schwerpunktthemen von DB InfraGO eingeflossen.
- Der Geschäftsbereich Fahrweg soll hierbei die infrastrukturellen und betrieblichen Voraussetzungen für die Realisierung der Starken Schiene als Kapazitätsmanager schaffen. Zielsetzung ist der Betrieb eines hochverdichteten und hochvertakteten, leistungsfähigen Netzes, der durch die konsequente Sanierung, gezielte Ertüchtigung und perspektivische Erweiterung der Netzkapazität gewährleistet werden soll. Hierauf sollen auch die angestrebte Umsetzung der Digitalen Schiene Deutschland (DSD), die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Organisation sowie die bessere Nutzung und Verfügbarkeit der bestehenden Kapazitäten einzahlen.
- Dem Geschäftsbereich Personenbahnhöfe kommt bei der Verlagerung des Verkehrs auf den klimafreundlichen Schienenverkehr eine zentrale Rolle zu. Eine gemeinwohlorientierte Infrastruktur braucht zukunftsfähige Bahnhöfe. Um die Wachstumsziele für die Mobilitätswende zu erreichen und den Deutschland-Takt zu realisieren, müssen zukünftige Bahnhöfe ganzheitlich entwickelt sein – kundenorientiert, leistungsstark und nachhaltig.
Durch Erneuerung und Digitalisierung sowie den bedarfsorientierten Ausbau der Infrastruktur streben wir perspektivisch die Steigerung der Netzkapazitäten in Korridoren und Knoten an, um bestehende Engpässe zu beseitigen und die erforderliche Kapazität für Angebotserweiterungen bereitstellen zu können. Dies zielt darauf ab, der Überlastung und Überalterung der Infrastruktur entgegenzuwirken, und soll mehr Zuverlässigkeit und Wachstum auf der Schiene ermöglichen. Zentrales Element der Strategie ist die Entwicklung eines Hochleistungsnetzes, das neben der Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Infrastruktur auch das Kundenerlebnis und die Planbarkeit der investiven Maßnahmen steigern soll. So ist es das erklärte Ziel, über eine Generalsanierung der wichtigsten Schienenkorridore das hochbelastete Netz bis 2030 zum Hochleistungsnetz und damit zu einem Stabilitätsanker für das System Schiene zu entwickeln. Hierbei sind mehrere Elemente entscheidend. So sollen die Baumaßnahmen jeweils gebündelt werden, um eine Strecke nach einmaliger Sperrung dann über viele Jahre hinweg nahezu baufrei zu halten. Um dabei die Einschränkungen zu minimieren, sollen hochverdichtete und kapazitätsschonende Bauverfahren implementiert werden. Damit die Strecken auch nach der Sanierung zuverlässig bleiben, wollen wir auf Prävention setzen. Ziel ist es, Störungen zu erkennen und zu beseitigen, noch bevor sie auftreten oder eine Beeinträchtigung im Betrieb hervorrufen. Darüber hinaus soll die Gesamtleistungsfähigkeit des Hochleistungsnetzes durch eine Verbesserung der Zuverlässigkeit und Kapazität in den Knoten sichergestellt werden. Im Rahmen der Erneuerungsarbeiten sollen, soweit möglich, bereits Vorarbeiten für die Umsetzung der Digitalen Schiene Deutschland geleistet und die Strecken ESTW/DSTW- und DSD-ready vorgerüstet werden. Neben der Hochrüstung der besonders hochbelasteten Strecken ist der Bestandserhalt der gesamten Infrastruktur die Basis für eine hohe Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs. Entsprechend muss auch das Flächennetz als Basis leistungsfähig betreibbar bleiben bzw. werden. Weiterhin wollen wir unsere Infrastruktur gezielt durch Neu- und Ausbau sowie durch Streckenelektrifizierung erweitern und so die erforderlichen Kapazitäten für die Umsetzung des Deutschland-Takts schaffen. Im Geschäftsbereich Personenbahnhöfe wollen wir mit einheitlichen Produkt- und Produktionsstandards kontinuierlich die wahrnehmbare Qualität an unseren Bahnhöfen und deren Umfeld verbessern. Wir haben das Ziel, kundenorientierte Standards ganzheitlich in allen Bereichen für Zukunftsbahnhöfe umzusetzen – immer partnerschaftlich mit den Ländern, Städten und Kommunen. Durch Standardisierung und zunehmende Digitalisierung sollen Prozesse verschlankt, Instandhaltungsmaßnahmen optimiert und eine Umstellung auf bedarfs- und zustandsorientierte Produktionskonzepte vorgenommen werden. Für die angestrebte Verkehrsverlagerung und den Anstieg der Reisendenzahlen wollen wir in neue Bauprojekte investieren und tragfähige Kapazitätskonzepte entwickeln, um eine robuste, kundenorientierte und sichere Infrastruktur sicherzustellen. Wir veröffentlichen jährlich den InfraGO-Zustandsbericht, der für einen Großteil unserer Bahnhofsinfrastruktur den Zustand in einer Schulnotenlogik abbildet.
Zentrale Hebel im Bereich der Infrastruktur auf dem Weg zur Klimaneutralität sind u. a. die weitere Elektrifizierung von Strecken – auch mittels innovativer Ansätze wie Oberleitungsinseln und Umgestaltung der eigenen Produktionsprozesse – sowie die Reduzierung der Emissionen aus Bau und Betrieb der Infrastruktur. Wir setzen auf ein nachhaltiges Vegetationsmanagement Nr. 116, auf Umweltschutzmaßnahmen, auf Ressourcenschutz durch Initiativen zur Förderung kreislaufwirtschaftlicher Ansätze und auf Lärmschutz. Darüber hinaus werden treibhausgasreduzierende Maßnahmen, etwa in der Gebäudebewirtschaftung, umgesetzt. Im Geschäftsbereich Personenbahnhöfe wollen wir bis 2025 unsere absoluten Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber 2019 um 81% reduzieren. Dies wollen wir u. a. durch den Einsatz von 100% Ökostrom Nr. 147 sowie durch die Vergrünung unseres Wärmeverbrauchs Nr. 97 erreichen. Auch unseren Energieverbrauch reduzieren wir stetig durch Energieeffizienzmaßnahmen wie z. B. LED-Tausch Nr. 50. Zudem setzen wir auf neue Konzepte der Anschlussmobilität; diese reichen vom Ausbau von Bike+Ride-Stellplätzen Nr. 156 bis hin zu digitalen Angeboten wie der App DB Rad+. 2024 wurden gemeinsam mit den Kommunen an 56 Bahnhöfen neue Fahrradabstellanlagen in Betrieb genommen. Zusätzlich verproben wir einen nachhaltigen Bauansatz Nr. 6 mit der »kleine grüne Bahnhof«. Nach dem Pilotstandort Zorneding ist im Juli 2024 in Haar der zweite seiner Art in modularer Holzbauweise errichtet worden.
Ziele von DB InfraGO bis 2030
- DB InfraGO hat das Ziel, im Takt zu bauen, die Kapazität zu optimieren und einen leistungsfähigen Betrieb sicherzustellen, indem infrastrukturbedingte Verspätungsursachen und Langsamfahrstellen reduziert werden sowie die Stellwerksbesetzungsquote erhöht wird.
- 4.000 hochbelastete Streckenkilometer sollen von Grund auf saniert werden – gebündelt in 40 Hochleistungskorridoren.
- Die rund 24.000 Streckenkilometer des Flächennetzes wollen wir schrittweise modernisieren.
- DB InfraGO hat das Ziel, Bahnhöfe ganzheitlich zu leistungsstarken, kundenorientierten und nachhaltigen Zukunftsbahnhöfen zu entwickeln.
- Schnelle Kapazitätserweiterung und Leistungsfähigkeit im Bestandsnetz willDB InfraGO u. a. mit zusätzlichen Überleitstellen, mehr Überholmöglichkeiten für Züge und zusätzlichen Signalen, um den Blockabstand zwischen den Zügen zu verringern, schaffen.
- Bis 2030 will DB InfraGO weitere Strecken digitalisieren und damit mehr Kapazität auf der bestehenden Infrastruktur schaffen.
- Dringend benötigte Serviceeinrichtungen für die Vor- und Nachbereitung von Zugfahrten, insbesondere Abstellgleise, will DB InfraGO neu bauen und auch vorhandene Einrichtungen erweitern.
- Durch Aus- und Neubau sowie Elektrifizierung von Strecken will DB InfraGO neue Kapazitäten schaffen, um den Deutschland-Takt Stück für Stück umzusetzen.