Klimawandel (ESRS E1)

Identifizierung klimabezogener Risiken und Szenarioanalyse

Im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit legt der DB-Konzern den Fokus auf Klimaschutz und Klimaresilienz. Investitionen in Klimaresilienz können einen Beitrag zur Reduktion klimawandelbedingter Schadenskosten leisten.

Klimabedingte physische Risiken

Als Betreiber kritischer Infrastruktur und als Flächenorganisation ist der DB-Konzern von aktuellen und zukünftigen Folgen des Klimawandels stark betroffen. Darum bereiten wir uns auf eine höhere Grundbelastung und zunehmende Extremwetterereignisse vor und entwickeln unser Klimaresilienzmanagement strategisch wie operativ weiter.

Die Bewertung physischer Risiken erfolgt auf Basis mehrerer Analysen. 2021 untersuchte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer von uns beauftragten Studie die klimatischen Veränderungen in Deutschland bis 2060 und deren erwartete Auswirkungen auf die DB-Schieneninfrastruktur anhand von zwei Klimaszenarien des Weltklimarats:

  • RCP 2.6 (Einhalten des 2 °C-Ziels) und
  • RCP 8.5 (»weiter wie bisher«).

Die Szenarien wurden ausgewählt, um eine plausible Bandbreite zukünftiger Entwicklungen der Treibhausgasemissionen und der daraus resultierenden klimatischen Veränderungen abzubilden. Dabei wurde die klimatische Entwicklung für die Referenzperiode (1961 bis 1990), die Gegenwart (1991 bis 2020) und die Zukunft (2031 bis 2060) auf Basis eines 12x12-km-Rasters für zehn klimatische Parameter, u. a. Hitze-, Sturm-, und Starkregentage, untersucht. Die Studie wies erstmals auch detaillierte Prognosen zu den klimatischen Auswirkungen in den 34 Verkehrsregionen von DB InfraGO aus. Die Analyse zeigte, dass insgesamt mit einer Zunahme physischer Klimarisiken für den DB-Konzern zu rechnen ist. Im Ergebnis werden deutlich mehr Hitzetage und weniger harte Winter erwartet. Gleichzeitig werden Wetterextreme wie Starkregen und Hochwasser sowie die Intensität von Sturmereignissen weiter zunehmen. Zur Analyse der Sensitivität der Infrastruktur gegenüber Wettermustern wurde der Zusammenhang zwischen Großwetterlagen und der Anzahl der Störungen untersucht. Die Ergebnisse deuten auf eine erhöhte Sensitivität hin, u. a., sobald kritische Schwellenwerte für Temperatur und Windgeschwindigkeit überschritten werden.

Die Erkenntnisse der PIK-Studie aus 2021 bilden die Grundlage für eigene, weitergehende Klimarisikoanalysen im DB-Konzern. Konzernweit werden seit 2024 alle Aktivitäten, die für eine verlässliche Bahntechnik im Zeichen der Herausforderungen des Klimawandels erforderlich sind, in der Gesamtumsetzung »Klimaresiliente Bahntechnik« gebündelt. Ziel ist es, auf Basis eines eigens entwickelten Vorgehensmodells systematisch Maßnahmen zu identifizieren, um Fahrzeuge, Infrastruktur und Energienetze sowie Gebäude und Bauwerke technisch klimaresilienter auszugestalten.

Zu diesem Zweck wurde 2024 eine Strukturierung unserer Anlagen und darauf aufbauend eine umfassende qualitative Klimarisikoanalyse auf Ebene dieser Anlagengruppen durchgeführt, darunter bspw. Leit- und Sicherungstechnik in der Infrastruktur oder Klimatisierungssysteme in Fahrzeugen. Die Sensitivität der Anlagen gegenüber Klimagefahren wie Hitze, Sturm, Niederschläge sowie Eis und Schnee wurde von den jeweiligen Expert:innen auf Basis bisheriger Erfahrungen qualitativ bewertet. Durch die Bewertung entlang der Dimensionen Sensitivität, Kritikalität und Dringlichkeit wurde die Betroffenheit der Anlagengruppen anhand von über 1.700 Datenpunkten transparent gemacht und prioritäre Handlungsfelder identifiziert. Ergänzend wird das Zusammenwirken von Anlagengruppen des DB-Konzerns in Deutschland analysiert, um so die Verfügbarkeit der Gesamtleistung Eisenbahn in den Fokus zu stellen.

Auf Basis dieser qualitativen Bewertung wurden prioritäre Anlagen identifiziert und im nächsten Schritt einer quantitativen Klimarisikoanalyse unterzogen. Für die Bewertung der Exposition wurden die klimatologischen Daten des Basisdienstes der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS-Basisdienst) als anerkannte Datengrundlage genutzt. Dem DB-Konzern liegen hierzu mehr als 80 Parameter mit einer hohen räumlichen Auflösung von 5x5 km für den Referenzzeitraum (1971 bis 2000), die nahe Zukunft (2031 bis 2060) und die ferne Zukunft (2071 bis 2100) vor. Dies erlaubt uns, detaillierte Einblicke in regionale Klimawandelauswirkungen zu bekommen. Durch die Korrelation technischer Leistungsdaten mit klimatologischen Messgrößen sollen Handlungsfelder identifiziert und in ihren Auswirkungen quantifiziert werden. Das Klimaszenario SSP 5 / RCP 8.5 wurde als Referenzszenario festgelegt, um die Risiken unter einem ambitionierten, sicherheitsorientierten Annahmerahmen zu bewerten und eine robuste Auslegung der Bahntechnik über die gesamte Lebensdauer der Anlagen zu gewährleisten.

Weitere Informationen im Zusammengefassten Lagebericht im Kapitel Chancen- und Risikobericht.

Klimabedingte Übergangsrisiken und -chancen

Für die Ableitung klimabedingter Übergangsrisiken und -chancen werden die zentralen Geschäftsaktivitäten des DB-Konzerns in Deutschland – Transportdienstleistungen und Schieneninfrastruktur – berücksichtigt. Dabei spielt auch die Wertschöpfungskette (Scope-3-Emissionen) eine wesentliche Rolle. Basis der Bewertung der klimabedingten Übergangsrisiken ist eine 2021 von einer Unternehmensberatung durchgeführte Studie.

Die in der Studie angewendete Szenarioanalyse betrachtete ein 2 °C-Szenario basierend auf den Energieszenarien IRENA Remap und Greenpeace Energy Revolution. Betrachtet wurden dabei die kurz-, mittel- sowie langfristigen Zeithorizonte 2019 bis 2030 und 2019 bis 2050. Zugleich orientieren sich die SBTi-validierten Klimaschutzziele und die zugrunde liegende Dekarbonisierungsstrategie des DB-Konzerns bereits an einem globalen Transformationspfad, der die Erderwärmung auf maximal 1,5 °C begrenzen soll. Die im Rahmen der SBTi-Zielsetzung geplanten Maßnahmen reflektieren somit bereits die Annahmen, Chancen und Herausforderungen eines 1,5 °C-Pfads. Das Szenario wurde ausgewählt, da hier die jeweiligen Effekte klimabedingter Veränderungen am deutlichsten zu erkennen sind.

Die Szenarioanalyse kombinierte drei Schlüsselaspekte miteinander: Energieentwicklungen (Energieverbrauch, Verfügbarkeiten und Brennstoffwechselfaktoren je Energieträger), Emissionen (Carbon Footprint und Emissionsreduktionspotenziale) und Kosten (Annahmen für Energiepreise, CO₂-Bepreisung etc.).

Die Studie wurde nach den Empfehlungen der Task Force on Climate Related Financial Disclosures (TCFD) durchgeführt. Neben den unmittelbaren Risiken, die sich aus der Studie ergeben haben, wurden weitere Risiken von internen Fachexpert:innen für den DB-Konzern identifiziert.

Weitere Informationen zum Umgang mit Übergangsrisiken im Abschnitt Climate Transition Plan.

Weitere Informationen im Zusammengefassten Lagebericht im Kapitel Chancen- und Risikobericht.

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