Maßnahmen (E1-3)
Als einer der größten Energieverbraucher Deutschlands ist es zur Erreichung unseres Klimaschutzziels unerlässlich, Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Treibhausgasemissionen in Scope 1 und 2 zu reduzieren. Wir setzen im Bereich Energie auf drei unserer vier Maßnahmenhebel für den Klimaschutz. Der vierte Hebel zahlt auf unsere Scope-3-Emissionen ein.
Die Konzerngesellschaften berücksichtigen in ihrer Planung die notwendigen Finanzbedarfe, um ihre Energie- und Klimaschutzmaßnahmen zur Treibhausgasreduktion durchführen zu können.
Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien (Hebel 1)
- Bahnstrom: Bis spätestens 2038 wollen wir den elektrifizierten DB-Schienenverkehr in Deutschland vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien betreiben. Seit 2018 sind Reisende mit DB Fernverkehr in Deutschland im elektrifizierten Schienenverkehr mit Strom aus 100 % erneuerbaren Energien unterwegs. Den Einsatz von 100 % Ökostrom für diese Fahrten hat der TÜV SÜD 2025 erneut zertifiziert. 2025 haben wir den Anteil erneuerbarer Energien am DB-Bahnstrommix in Deutschland auf Basis vorläufiger Werte erneut gesteigert. Der Aufbau eines diversifizierten Portfolios aus erneuerbaren Energien und Energiespeichern für die wirtschaftliche und sichere Energieversorgung bei einem wachsenden Anteil von erneuerbaren Energien ist Kernelement der Beschaffung von DB Energie. Durch den Abschluss weiterer langfristiger Stromabnahmeverträge 2025 werden wir den Anteil erneuerbarer Energien am DB-Bahnstrommix in Deutschland auch zukünftig ausbauen. 2025 wurden acht neue Power Purchase Agreements (PPA) abgeschlossen. Ergänzt wird das Portfolio ebenfalls durch ein neues Power Storage Agreement (PSA), eine Vereinbarung zur Nutzung von Speicherkapazitäten. Weitere Informationen im Zusammengefassten Lagebericht im Abschnitt Umweltmaßnahmen im Geschäftsfeld DB Energie.
- Stationäre Anlagen: Seit Anfang 2025 erhalten alle Bahnhöfe, Instandhaltungswerke, Bürogebäude und stationären Anlagen in Deutschland, die von DB Energie versorgt werden, 100 % Ökostrom. Dazu gehören auch Stellwerke, Weichenheizungen und Gleisfeldbeleuchtungen. Photovoltaikanlagen werden seit Januar 2024 grundsätzlich bei Neubauten und Ersatzneubauten von Bahnsteigdächern realisiert, sofern diese sich wirtschaftlich und technisch umsetzen lassen. Ende 2025 waren 24 Bahnsteigdächer mit PV-Anlagen in Planung. 2025 haben wir einen Handlungsleitfaden erarbeitet, der bei Bauprojekten die Realisierung klimafreundlicher Maßnahmen gem. dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) unterstützt.
- Wärmewende: Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040 will der DB-Konzern auch bei der Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien umsteigen. Dafür arbeiten wir an verschiedenen Plänen und Maßnahmen. Erreichen Ölheizungen in unseren Gebäuden in Deutschland das Ende ihres Lebenszyklus, werden sie durch klimafreundliche Alternativen ersetzt. Bei unseren Personenbahnhöfen wurden 2025 zwei Vorhaben umgesetzt, bei denen eine fossile Heizungsanlage durch eine erneuerbare Wärmeversorgung ersetzt wurde. Ergänzend dazu befinden sich an 38 Standorten weitere Maßnahmen in der Konzeptionsphase für eine regenerative Wärmeerzeugung. Ende 2025 befand sich z. B. das ICE-Werk Dortmund-Hafen im Bau, das zukünftig zu 100 % aus klimafreundlicheren Energiequellen versorgt werden soll. Neben einer Geothermieanlage zur vollständigen Beheizung des Gebäudes soll eine Photovoltaikanlage auf dem Dach etwa 60 % des Strombedarfs decken. Der verbleibende Strombedarf soll durch eingekauften Ökostrom abgedeckt werden. Das Werk soll 2027 in Betrieb gehen.
Dieselausstieg und Elektrifizierung (Hebel 2)
Das Programm »Dieselausstieg Schiene« ist ein konzernweites Entwicklungs- und Umsetzungsprogramm und der zweite von vier Hebeln, um unser Net-Zero-Ziel zu erreichen. Es koordiniert insbesondere den Hochlauf des Biokraftstoffs Hydrotreated Vegetable Oil (HVO), um kurzfristig signifikante Treibhausgaseinsparungen zu erzielen. Ergänzend werden im Rahmen von Pilotprojekten alternative, emissionsarme Antriebstechnologien erprobt, mit dem Ziel, langfristig konzernweite Standards zu etablieren.
- Elektrifizierung des DB-Streckennetzes: Bereits heute werden in Deutschland mehr als 90 % aller Verkehrsleistungen auf der Schiene elektrisch erbracht (basierend auf Leistungstonnen-km; Ltkm). Diesen Anteil wollen wir gemeinsam mit dem Bund weiter steigern. Bis 2030 soll der Anteil des elektrifizierten Streckennetzes in Deutschland (Betriebslänge) auf rund 63 % steigen. 2025 wurde mit dem Ausbau der Hochrheinbahn begonnen, die bis 2027 auf 75 km Strecke zwischen Basel Badischer Bahnhof und Erzingen (Baden) elektrifiziert sein soll. Trotz der fortschreitenden Elektrifizierung des DB-Streckennetzes wird es auch in Zukunft Strecken geben, auf denen Güter und Personen z. B. aufgrund geografischer oder betrieblicher Besonderheiten nicht elektrisch transportiert werden können. Dort setzt der DB-Konzern auf einen technologieoffenen Ansatz mit alternativen Antrieben und Kraftstoffen als Ersatz für fossilen Diesel.
- Einsatz alternativer Kraftstoffe: Mit alternativen Kraftstoffen können Dieselfahrzeuge emissionsärmer weitergenutzt werden, ohne dass sie dafür technisch umgerüstet werden müssen. Das ist nachhaltig und ressourcenschonend, da so funktionsfähige Züge und Lokomotiven nicht vorzeitig ausgemustert werden müssen. Der Fokus des DB-Konzerns liegt dabei aktuell auf dem Biokraftstoff HVO als Übergangstechnologie. Durch den verstärkten Einsatz von HVO soll der Bedarf an herkömmlichem Diesel in den kommenden Jahren deutlich reduziert werden. Das vom DB-Konzern eingesetzte HVO wird ausschließlich aus biologischen Rest- und Abfallstoffen hergestellt und verursacht im Vergleich zum herkömmlichen Diesel bilanziell rund 90 % weniger Treibhausgasemissionen gem. Herstellerangaben. 2025 haben wir den HVO-Hochlauf weiter vorangetrieben. Die vertankte HVO-Menge im DB-Konzern belief sich 2025 auf 23,4 Mio. l (im Vorjahr: 20,7 Mio. l). Dies entsprach 2025 rund 6 % des gesamten Kraftstoffverbrauchs von Dieselfahrzeugen.
- Einsatz alternativer Antriebe: Alternative Antriebe sind emissionsarme Alternativen zu reinen Dieselantrieben. Gemeinsam mit Siemens Mobility haben wir ein innovatives Wasserstoff-Gesamtsystem aus Tankstelle, Zug und Instandhaltungsinfrastruktur erprobt, das auf nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt wird. Auf teilweise elektrifizierten Strecken kommen im Nahverkehr bei leichten Triebwagen Batteriezüge sowie die zugehörige Lade- und Instandhaltungsinfrastruktur zum Einsatz. Batteriezüge haben neben einem Stromabnehmer für die Oberleitung einen Akkumulator, der wie eine wiederaufladbare Batterie funktioniert. Auf nicht elektrifizierten Strecken oder Streckenabschnitten bezieht der Zug seine Energie aus der aufgeladenen Batterie, sodass er auch ohne Oberleitung klimafreundlich unterwegs ist. Im Fern- und Schwerlastverkehr setzt der DB-Konzern auf flexible Übergangslösungen. Mit der schrittweisen Einführung moderner Zweikraftlokomotiven, die sowohl elektrisch als auch mit Diesel betrieben werden können, können durchgängige Transportketten ohne Umspannen realisiert werden. Auf elektrifizierten Streckenabschnitten erfolgt der Betrieb elektrisch, während Diesel nur auf nicht elektrifizierten Abschnitten eingesetzt wird. Bei DB Cargo sind die ersten Zweikraftlokomotiven seit 2023 im Einsatz. Im Dezember 2025 begann die Auslieferung bei DB Fernverkehr. Ende 2025 sind 79 der insgesamt 167 Zweikraftlokomotiven an die beiden Geschäftsfelder ausgeliefert worden und größtenteils in Betrieb.
- Elektrifizierung von Fahrzeugkomponenten: Neben Fahrmotoren kommen bei Arbeitsfahrzeugen für verschiedene Arbeitseinsätze separate Arbeitsmotoren zum Einsatz, z. B. für Hebebühnen oder Kompressoren. In einem Pilotprojekt bei DB InfraGo werden auf einem Fahrleitungsinstandhaltungsfahrzeug erstmals die Arbeitsmotoren von Diesel- auf batterieelektrischen Betrieb bis Mitte 2026 umgestellt und danach im Praxisbetrieb erprobt. Bewährt sich der Ansatz, sollen sukzessive weitere ältere Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren ersetzt werden, sodass auch die Arbeitsmotoren von Bestandsfahrzeugen emissionsfrei betrieben werden können.
Energieeffizienz (Hebel 3)
Eine möglichst effiziente Nutzung eingesetzter Energie trägt auch zur Senkung unserer Treibhausgasemissionen bei. Die Kernaufgabe des 2023 gestarteten Programms »Grüne Bahntechnik« ist, technische Innovationen nutzbar zu machen, zu erproben und im Gesamtsystem zu skalieren, um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen und kurzfristig wirksam zu verbessern. Das Programm wird fortlaufend umgesetzt. Dabei geht es um rund 330.000 technische Anlagen, rund 10.000 Fahrzeuge und rund 83.000 Güterwagen. 2025 lag der Fokus auf der Umsetzung und Weiterentwicklung von Projekten zur Energieoptimierung sowie auf dem Einsatz alternativer Kraftstoffe. Zur Senkung des Traktionsenergiebedarfs will DB Regio den Stromverbrauch der Klimaanlagen reduzieren. Hierzu soll u. a. eine auslastungsabhängige Steuerung in Fahrzeugen der Baureihe 423 nachgerüstet werden. Die entsprechenden Zulassungsprozesse wurden 2025 durchlaufen, die Umrüstung soll in 2026 erfolgen.
- Effiziente Fahrzeuge und effizientes Fahren: Um die Energieeffizienz bei seinem Fuhrpark zu erhöhen, setzt der DB-Konzern u. a. auf eine besetzungsunabhängige, also eine automatische Klimaanlagensteuerung und die Rückführung von Bremsenergie in die Oberleitungen. 2025 hat sich die Rückspeisequote auf 20,2 % erhöht (im Vorjahr: 18,7 %). Die leichte Steigerung ist im Wesentlichen auf die Inbetriebnahme weiterer neuer Triebzüge und elektrischer Lokomotiven zurückzuführen. Auch durch energiesparendes Fahrverhalten können wir unseren Energiebedarf senken. Hierfür statten wir unsere Fahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen wie LEADER (Locomotive Engineer Assist Display and Event Recorder)bei DB Cargo und RESY (RegioEnergiesparsystem) bei DB Regio aus. Bei DB Cargo werden diese Systeme in Diesel-Streckenlokomotiven und in E-Lokomotiven in Deutschland kontinuierlich installiert. Weitere Informationen im Zusammengefassten Lagebericht im Abschnitt Umweltmaßnahmen im Geschäftsfeld DB Cargo.
- Effiziente Gebäude und Anlagen: Um die Effizienz von stationären Gebäuden und Anlagen in Deutschland zu erhöhen, automatisiert der DB-Konzern u. a. manuelle Arbeitsschritte und optimiert Prozesse. So helfen z. B. selbstschließende Hallentore dabei, Wärmeverluste zu reduzieren und Heizenergie zu sparen. Im Dezember 2025 wurde die Umrüstung von fünf Toren am Werksstandort von DB Regio in Hannover abgeschlossen. Damit sind nun insgesamt 50 Tore in über zehn DB-Regio-Werken mit der automatisierten Steuerung ausgestattet und das Projekt vorerst abgeschlossen. Auch die Einführung innovativer Lacksysteme, die bei Raumtemperatur trocknen, spart Energiekosten und reduziert Treibhausgasemissionen.
2025 haben wir zentrale Maßnahmen und Projekte umgesetzt, um die Treibhausgasemissionen unserer eigenen Geschäftstätigkeiten und insbesondere entlang unserer Wertschöpfungskette, unsere Scope-3-Emissionen betreffend, zu senken.
Steuerung der Scope-3-Emissionen
2024 haben wir einen Plan zur Steuerung und Reduktion unserer Scope-3-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette entwickelt. Grundlage war die Analyse der 15 Scope-3-Kategorien des GHG Protocol, aus denen die für den DB-Konzern wesentlichen Kategorien identifiziert wurden. Darauf aufbauend wurden zentrale Emissionsquellen identifiziert sowie Hebel und Maßnahmen zur Emissionsreduktion entwickelt, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Datentransparenz, insbesondere der verbesserten Verfügbarkeit von Primärdaten durch standardisierte und zunehmend digitale Prozesse. Bis 2030 sollen die emissionsintensivsten Warengruppen hierfür in einem zentralen IT-System abgebildet sein. 2025 wurde die Datengrundlage weiter vervollständigt, sodass uns nun die Primärdaten aller vertraglich gebundenen Schienenstahllieferanten vorliegen. Zudem befasst sich der Plan zur Steuerung der Scope-3-Emissionen mit tragfähigen Finanzierungslösungen für klimafreundliche Beschaffungen und Investitionen sowie mit der schrittweisen Integration von Klimaschutzkriterien in Vergabeprozesse. Ein weiterer Aspekt ist das sog. Supplier Engagement, das die gezielte Erhebung von Primärdaten und gemeinsame Maßnahmen mit Lieferanten zur Reduktion der Scope-3-Emissionen unterstützt. In diesem Rahmen unterstützen wir unsere Lieferanten, eigene wissenschaftsbasierte Klimaschutzziele zu entwickeln. Weitere Informationen zu unserem Supplier Engagement Target (SET) im Abschnitt Ziele (E1-4).
Einsatz emissionsreduzierter Baustoffe (Hebel 4)
Der DB-Konzern investiert zusammen mit dem Bund auf einem sehr stark gestiegenen Niveau in die Modernisierung der Schieneninfrastruktur. Um die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen zu mindern, will der DB-Konzern verstärkt emissionsreduzierte Baustoffe verwenden – der vierte unserer vier Hebel zur Erreichung unseres Klimaschutzziels.
- Projekt Railmap: Im Rahmen des Projekts »Railmap – klimaneutrale Schieneninfrastruktur« ergreifen wir Maßnahmen, um die beim Bau und der Instandhaltung der Schieneninfrastruktur entstehenden Treibhausgasemissionen zu reduzieren. 2025 haben wir gemeinsam mit dem BMV und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) einen Zuwendungsbescheid für ein Pilotvorhaben zur Errichtung einer Eisenbahnüberführung mit emissionsreduziertem Beton erreicht. Die Ausschreibung und das Vergabeverfahren erfolgten im Herbst 2025. Der Baubeginn ist für 2026 geplant. Ebenso konnte mit dem BMV eine vorhabenbezogene Finanzierungszusage für ein weiteres Pilotvorhaben erreicht werden. Ziel ist es, die ersten genehmigungsrechtlichen Schritte zur Aufnahme von verschiedenen emissionsreduzierten Betonen zu durchlaufen und in das Regelwerk des DB-Konzerns aufzunehmen, um sie zukünftig als Regelbaustoff einsetzen zu können. Der Bau einer Stützwand mit diesen innovativen Betonen soll 2026 im Zuge eines Pilotvorhabens beginnen.
Der Einsatz von emissionsreduziertem Stahl ist für uns ebenfalls ein wichtiger Faktor zur Erreichung unseres Klimaschutzziels. 2025 haben wir in einem Pilotprojekt mit einem Stahlhersteller erstmals emissionsreduzierten Stahl verbaut. Weitere Informationen im Zusammengefassten Lagebericht im Abschnitt Umweltmaßnahmen im Geschäftsfeld DB InfraGO.
- »Nachhaltige Bahnhöfe«: In Bitterfeld wurde 2025 ein neues, besonders klimafreundliches Bahnhofsgebäude fertiggestellt. Mit dem beim Bau verwendeten recycelten Aluminium, einer Photovoltaikanlage, die 100 % des Eigenstrombedarfs deckt, einem begrünten Dach sowie klimafreundlicherer Fernwärmeversorgung zählt das Bahnhofsgebäude zu den nachhaltigsten Empfangsgebäuden des DB-Konzerns. Das Projekt ist ein wichtiger Schritt im Bereich emissionsreduzierten Bauens und wurde erstmals mit Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen umgesetzt. Parallel dazu wird das Programm der »Kleinen Grünen Bahnhöfe« weiterentwickelt. Fünf zusätzliche Standorte befinden sich derzeit in der Planungsphase. Die ersten beiden Pilotstandorte in Zorneding und Haar wurden im September 2025 mit dem Brunel Award für herausragende Gestaltung im Eisenbahnsektor ausgezeichnet. Der »Kleine Grüne Bahnhof« steht für eine neue Generation von Bahnhofsgebäuden, die klimafreundlicher gebaut und betrieben werden. Dabei kommen überwiegend regionale und natürliche Baustoffe zum Einsatz, wodurch bereits bei der Errichtung rund 50 % CO₂e eingespart werden können.
- Klimafreundlichere Bodenbeläge: Im April 2025 startete das Projekt »Klimafreundliche Bodenbeläge« an Bahnhöfen. Am Bahnhofsvorplatz Berlin Südkreuz werden dazu neun verschiedene Bodenbeläge ein Jahr lang unter realen Bedingungen getestet, um deren mechanische, chemische und optische Eigenschaften praxisnah bewerten zu können. Durch die verschiedenen Beläge können die Treibhausgasemissionen um bis zu 60 % reduziert werden.
- Zukunftsinitiative Bahnbau: Mit der Zukunftsinitiative Bahnbau (ZIB) wollen wir dazu beitragen, die Recyclingquoten von Bahnbaumaterialien weiter zu erhöhen und Klima- sowie Ressourcenschutz im Bahnbau zu stärken. Gemeinsam mit Planern, Bauverbänden und der Bahnbauindustrie arbeiten wir im Cluster »Grünes Planen, Bauen und Betreiben« an Lösungen. Im Vorjahr wurden innerhalb der ZIB Anwendungshilfen für geotechnische Erdbauwerke entwickelt. Diese wurden 2025 veröffentlicht und durch begleitende konzerninterne Kommunikationsmaßnahmen an die Bauprojekte des DB-Konzerns eingebracht. Neu aufgenommen wurde die Arbeit an einer gemeinsamen Arbeitsgruppe »Grünes Planen«, in der notwendige Anpassungen an den Zielvereinbarungen der Infrastrukturprojekte erarbeitet werden sollen, um Emissionen einzusparen und Ressourcen zu schonen. Im Dezember 2025 fand die Fachtagung »Transformation zur klimaneutralen Bahninfrastruktur« statt, wo u. a. ein Austausch und der Startschuss zur Ausgestaltung des »Pionierfelds für die Deutsche Bahn« stattfand. Dieses ist im Zusammenhang mit der Entwicklung von Leitmärkten für emissionsarme Grundstoffe sowohl im Koalitionsvertrag als auch in der »Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene« des BMV verankert.
Wir ergreifen verschiedene Maßnahmen, um uns auf zunehmende Extremwetterereignisse, z. B. Hitze, Sturm oder Starkregen sowie gravitative Naturgefahren, vorzubereiten. Hierzu entwickeln wir unser Klimaresilienzmanagement strategisch und operativ weiter. Die Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen wird sowohl durch Eigenmittel des DB-Konzerns als auch durch Mittel aus Finanzierungsvereinbarungen mit dem Bund ermöglicht.
Klimaresiliente Bahntechnik
Die Gesamtumsetzung »Klimaresiliente Bahntechnik« hat das Ziel, bahntechnische Anlagen in Deutschland an die Folgen des Klimawandels anzupassen und klimabedingte Restrisiken zu reduzieren. Beteiligt an der Gesamtumsetzung sind DB Cargo, DB Energie, DB Fernverkehr, DB InfraGO, DB Regio, DB Fahrzeuginstandhaltung und die DB AG.
2025 wurden die im Vorjahr als prioritär identifizierten Anlagen einer quantitativen Klimarisikoanalyse unterzogen. Ein zentraler Hebel zur langfristigen Verankerung der Klimaresilienz ist die Anpassung technischer Normen. Hierfür wurden 2025 aus 379 externen als relevant eingestuften technischen Normen die wichtigsten 30 priorisiert, die gem. einem mehrdimensionalen Kriterienkatalog den größten Anpassungsbedarf aufweisen, um neue Anlagen in der gesamten Branche nach klimagerechten Anforderungen auszulegen. Die Bewertung bildet die Grundlage für eine gezielte Beteiligung des DB-Konzerns an anstehenden Überarbeitungen relevanter technischer Normen. Darüber hinaus wurden 2025 die finanziellen Auswirkungen bereits eingetretener Schäden und künftig projizierter klimawandelbedingter Schäden auf den DB-Konzern untersucht und bewertet.
Ein wichtiges Ergebnis der Gesamtumsetzung »Klimaresiliente Bahntechnik« 2025 war die externe Würdigung durch den BCI Europe Award in der Kategorie »Zusammenarbeit für mehr Resilienz«. Zur Unterstützung der strategischen Weiterentwicklung und des sektorübergreifenden Austausches wurden Netzwerke zu Forschung, Entwicklung, Behörden, Ministerien, Industrie und weiteren Anwendern aufgebaut sowie die öffentliche Positionierung gestärkt.
Wetteranwendung Wetter@DB
Mit der zentralen Wetteranwendung Wetter@DB 2.0 verfolgt der DB-Konzern das Ziel, eine verbindliche Wetterdatenbasis konzernweit bereitzustellen und somit den wettersensiblen Bahnbetrieb robuster, effektiver und energieeffizienter zu gestalten. Zu den zentralen Funktionen gehören eine Acht-Tage-Vorschau, die stündliche Bereitstellung von 28 meteorologischen Parametern an rund 17.000 Betriebspunkten, eine frühzeitige Alarmierung mit bis zu 48 Stunden Vorlauf sowie meteorologisch geprüfte Lageberichte. Gegenüber der Vorgängeranwendung bietet die neue Version eine verbesserte räumliche Abdeckung, längere Prognosezeiträume und eine höhere Datenpräzision, wodurch die Nutzbarkeit für operative Entscheidungen steigt. 2025 wurde ein neues und speziell auf die Anwendungsfälle der S-Bahn Berlin ausgerichtete Modul in die Anwendung integriert, und auch vor komplexen dynamischen Wetterlagen, wie z. B. Gewittern, wird nun präzise und punktgenau gewarnt. Als zentrale Anwendung wird Wetter@DB 2.0 kontinuierlich weiterentwickelt.
Forschung und Entwicklung
Der DB-Konzern wirkt aktiv in Forschungsprojekten und Wissenschaftsnetzwerken mit, um Erkenntnisse zu Klimawandelfolgen und -resilienz in die Weiterentwicklung der eigenen Infrastruktur einzubringen. Ein Beispiel ist das vom Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) koordinierte Projekt »RailVitaliTree«, das einen Vitalitätsmonitor zur Erfassung der Baumgesundheit im Gleisumfeld entwickelt. Es untersucht an zwölf Standorten in Deutschland das Wachstum von Bäumen auf Basis von Jahresringanalysen, sog. dendroökologischen Studien und mikroklimatischen Messungen. 2025 wurden hierfür zwei weitere Drohnenbefliegungen durchgeführt, 640 Bohrkerne entnommen und vier Wetterstationen aufgebaut. Außerdem wurde der Prototyp des Vitalitätsmonitors weiterentwickelt, um eine höhere Sensitivität zu erreichen. Die Projektergebnisse werden für Ende 2026 erwartet. Darüber hinaus unterstützt der DB-Konzern fortlaufend das BMV-Forschungsnetzwerk durch Datenbereitstellung und fachliche Expertise. Das Netzwerk fördert den Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie und Verwaltung und adressiert u. a. Themen zu Klimawandelfolgen und Anpassung.
Climate Proofing
Die Berücksichtigung von Klimaresilienz rückt auch bei Neu- und Ausbauprojekten in der Schieneninfrastruktur zunehmend in den Fokus. Seit Juli 2024 ist gem. den Europäischen Leitlinien für die Sicherung der Klimaverträglichkeit von künftigen Infrastrukturprojekten, die von sog. gemeinsamem europäischen Interesse sind, ein verpflichtendes Climate Proofing durchzuführen. Dieses Verfahren stellt sicher, dass sowohl Klimaschutz- als auch Klimaresilienzbelange berücksichtigt werden. DB InfraGO führte bereits 2023 freiwillig ein umfassendes Climate Proofing für ausgewählte Großprojekte durch. Seit 2024 unterstützen qualifizierte Gutachterbüros die Umsetzung in den betroffenen Projekten. 2025 haben die ersten Projekte Climate Proofings begonnen. Darüber hinaus soll bis 2026 ein Handlungsleitfaden entwickelt werden, der die Projekte bei der standardisierten Umsetzung unterstützen soll.
Vegetationsmanagement am Gleis
Vor dem Hintergrund zunehmend extremer Wetterereignisse gewinnt das Vegetationsmanagement entlang der Bahnstrecken weiter an Bedeutung: Rund zwei Drittel des Schienennetzes sind bspw. von Bäumen gesäumt. Um die Resilienz der Infrastruktur zu erhöhen, entwickelt der DB-Konzern mit dem Leitbild »Sturmsichere Schiene« einen neuen, klimawandelangepassten Ansatz zur Vegetationskontrolle an Bahnstrecken. Der Ansatz sieht vor, dass eine klarere räumliche Strukturierung und Pflege der Vegetation entlang des Gleises in drei Pflegezonen erfolgen soll. Die Höhe der Gehölze soll über alle Zonen hinweg so begrenzt werden, dass der sichere Abstand zum Gleis gewahrt bleibt (»kritische Höhe«).
- In der intensiven Rückschnittszone soll der unmittelbar an die Schiene angrenzende Bereich frei von Bäumen und Sträuchern bleiben.
- Darauf folgt die extensive Rückschnittszone mit gezielt gepflegten, heimischen und niedrig wachsenden Gehölzen, die die Biodiversität stärken und neue Lebensräume schaffen sollen. Dies soll mittels einer jährlichen Vegetationskontrolle überwacht werden.
- Daran schließt sich die Stabilisierungszone an, die in einem fünfjährigen Rhythmus gepflegt werden soll.
Damit verfolgt der DB-Konzern das Ziel, die Sicherheit des Bahnbetriebs auch unter veränderten klimatischen Bedingungen gewährleisten und gleichzeitig die Biodiversität stärken zu können. Es soll eine klarere räumliche Strukturierung und Pflege der Vegetation entlang des Gleises sowie der gezielte Einsatz standortangepasster, ökologisch wertvoller Pflanzen erfolgen. Der neue Ansatz wird seit Herbst 2025 erstmals auf dem Hochleistungskorridor Hamburg — Berlin im Rahmen der Korridorsanierung erprobt.
Achszählpunkte mit Temperaturloggern
Zum Schutz sensibler Leit- und Sicherungstechnik vor immer längeren und intensiveren Hitzewellen hat DB Systemtechnik zusammen mit DB InfraGO in einem 2024 gestarteten Pilotprojekt rund 100 sog. Achszählpunkte mit Temperaturloggern ausgestattet, die bis Oktober 2025 Temperaturschwankungen in deren Innengehäusen gemessen haben. Die 2025 begonnene Auswertung der gesammelten Daten soll zeigen, ob eine Korrelation von Lufttemperatur und weiteren Standortfaktoren mit der Innentemperatur der Achszählpunkte besteht. Im Anschluss soll 2026 nach einem Abgleich mit prognostizierten Temperaturspitzen untersucht werden, ob die in einem Vorgängerprojekt 2022 und 2023 erprobten Technologien für einen Einsatz im deutschen Netz geeignet sind. Das Pilotprojekt soll 2026 abgeschlossen werden.
Klimaresiliente Bahnhofsumfelder
DB InfraGO arbeitet außerdem an der Entwicklung klimaresilienter Bahnhofsumfelder, um den Komfort und die Sicherheit der Reisenden zu erhöhen und die Widerstandsfähigkeit der Bahnhöfe gegenüber Extremwettereignissen zu stärken. In Kooperation mit Kommunen sollen lebendige, klimaangepasste öffentliche Plätze geschaffen werden.
Im Modellprojekt Bahnhofsvorplatz Hamburg-Harburg wird mit Maßnahmen zur klimaresilienten Vorplatzgestaltung ein umfassender Ansatz mit Fokus auf Regenwassermanagement und Hitzevorsorge pilotiert. 2025 wurde eine Machbarkeitsuntersuchung für den Standort durchgeführt. Der Beginn der Bauphase ist für 2027 vorgesehen. Es sollen sukzessive weitere Pilotprojekte durchgeführt werden.
Unsere Maßnahmen im Bereich Energie, Klimaschutz und Klimawandelanpassung werden wir wie beschrieben fortführen.