Transformation DB Cargo
Um bis Ende 2026 wirtschaftlich profitabel zu werden, hat DB Cargo in 2025 zentrale Schritte in seiner Transformation umgesetzt und u. a. eine kundenorientierte Struktur mit unternehmerischer Verantwortung eingeführt.
- Branchenstruktur etabliert: Seit Januar 2025 arbeitet DB Cargo in einer neuen, branchenorientierten Struktur – in ergebnisverantwortlichen Einheiten. In diesem Zusammenhang wurden Lokomotiven, Wagen und operative Mitarbeitende den Branchen Automotive, Steel, Liquids & Bulk und Full Load Solutions (FLS), dem Einzelwagenverkehr sowie dem maritimen und kontinentalen Kombinierten Verkehr (KV) zugeordnet. 2025 sind auch die entsprechende Planung und Durchführung von Verkehren in die Branchen überführt worden. Die Verkehre sollen so aus einer Hand wirtschaftlich und qualitätsgerecht geplant, gesteuert und stetig verbessert werden. Die gebildeten geschlossenen Produktionseinheiten sollen die wirtschaftliche und produktionelle Verantwortung der Branchen weiter stärken.
- Zielbilder der Division Bahnlogistik stehen fest: Die kommerziellen Zielbilder der Branchen der Division Bahnlogistik (Automotive, Steel, Liquids & Bulk und FLS) wurden 2025 finalisiert – sie sollen Systemanbieter sein und innovative Netzwerkprodukte anbieten.
Zudem werden in den Branchen seit 2025 Vertrieb und Produktion jeweils unter einem Dach gebündelt. Ziel ist es, die Branchen agiler zu machen und die Kundennähe zu stärken.
- Angebote in der Branche Automotive ausgebaut: Kern des Angebots der Branche Automotive ist das Automotive RailNet – ein europaweites Netzwerk, das Produktionsstandorte der Automobilhersteller, Zulieferer und Häfen miteinander verbindet. Vervollständigt wird das Angebot durch logistische Komplettlösungen von Schienentransporten, Umschlag und Lagerung bis zu Fahrzeugservices. Wachstumsbereich ist die Batterielogistik mit einem jährlichen Transportvolumen von aktuell rund 700.000 Batterien und Zellmodulen. Sie haben ein hohes Gewicht und sind als Gefahrgut prädestiniert für den Transport auf der Schiene. In den nächsten fünf Jahren liegt der Fokus auf Wachstum mit internationalen Fahrzeugherstellern und dem Ausbau der Batterielogistik.
- Die Branche Steel ist Systempartner für die Stahlindustrie in Europa und bietet logistische Lösungen an, die über den klassischen Transport hinausgehen. Insbesondere dieser Geschäftsbereich beschäftigt sich intensiv mit Innovationen, um die Kunden bei deren Transformation zu unterstützen. Mit speziell entwickeltem Equipment – z. B. für den Transport von Eisenschwamm oder Schrott – will die Branche Steel die Stahllogistik der Zukunft gestalten.
- Die Branche Liquids&Bulk bietet Gefahrguttransporte an und bündelt das Logistik-Know-how für die Mineralöl-, Düngemittel-, Chemie- und Baustoffindustrie. Die Kunden dieses Geschäftsbereichs stehen vor großen Herausforderungen und verlagern teilweise ihre Produktion ins Ausland. Importe über Häfen nehmen daher an Bedeutung zu. Darauf reagiert Liquids &
Bulk mit der Fokussierung auf den Bereich Spezialchemie, der kleinere Sendungsgrößen für Chemieprodukte benötigt und dessen Sendungen über Häfen nach Europa kommen. Deshalb plant die Branche ein europäisches Chemie-Netzwerk (Chem-Cargo), das zeit- und qualitätskritische Transporte zuverlässig und effizient organisieren soll. Zudem werden Serviceangebote ausgebaut – etwa die Werkslogistik sowie Beratungsleistungen zu Carbon-Capture-Logistikkonzepten für den Transport von verflüssigtem CO₂. - Beim Einzelwagenverkehr (EV) will DB Cargo der Verantwortung für die Kunden gerecht werden und betreibt das Netzwerk weiterhin in der Fläche. Bis 2027 soll das neue Betriebsmodell mit einem angepassten EV-Kernnetz, einer Veränderung im Portfolio der Zugbildungsanlagen und einer deutlichen Produktivitätssteigerung in der operativen Steuerung umgesetzt werden. In vier großen, zentralen Produktions-Hubs bündelt DB Cargo zukünftig die technisch aufwendige Zugbildung und verteilt dadurch deutlich effektiver große Mengen an Gütern in ganz Deutschland, wo es künftig noch rund 20 Rangierbahnhöfe und Knotenbahnhöfe geben soll. Zugleich stärkt DB Cargo das europäische Netzwerk, v. a. auch die wichtigen Korridorverbindungen in Richtung Südosteuropa.
- Kombinierter Verkehr (KV) in wettbewerbsintensivem Marktumfeld neu aufgestellt: Im kontinentalen KV wurden Anfang 2025 unwirtschaftliche Verkehre aus dem Portfolio genommen. 2026 soll der Fokus auf Kostenminimierung sowie der Steigerung von Qualität und Kundennähe liegen. Auch der maritime KV hat seine Position in einem Marktumfeld mit hohem Preisdruck und intensiver Konkurrenz durch den Lkw gefestigt, die Neuausrichtung zeigt Wirkung und von Kunden gibt es positives Feedback. Das bereits Ende 2024 eingeführte Einsatzmodell für Triebfahrzeugführer:innen »Starkes Langfahren« hat dabei die Flexibilität gesteigert und erheblich zur Wettbewerbsfähigkeit des KV beigetragen. Beim maritimen KV hat DB Cargo zudem im Rahmen des EU-Beihilfeverfahrens mit der EU-Kommission die Veräußerung eines substanziellen Minderheitsanteils vereinbart. Wesentliche Voraussetzungen für eine Investorenbeteiligung, wie die Kapselung der Produktion, der Transfer von Lokomotiven und Güterwagen in die Transfracht GmbH, das Erreichen der geplanten Ergebnisverbesserung und die Herstellung der technischen Beteiligungsfähigkeit, wurden 2025 umgesetzt, bevor im Oktober 2025 die Marktansprache startete, die im Dezember 2025 zu ersten indikativen Angeboten geführt hat.
- Einführung des Systems Integrierte Planung und Steuerung: Das Integrierte digitale Planungs- und Steuerungs-System (IPS) bündelt seit 2025 alle zentralen Ressourcenplanungen (für Lokomotiven, Mitarbeitende, Umläufe und Schichten) bei DB Cargo, die vorher auf unterschiedliche IT-Systeme verteilt waren. IPS soll durch den Wegfall von Schnittstellen und doppelten Tätigkeiten, die Darstellung der Ressourcen in Echtzeit sowie einen (teil-)automatisierten Entscheidungsprozess für einen effizienteren, flexibleren und transparenteren Ressourcenplanungsprozess sorgen.
- Neues Werkekonzept: Mit der neuen Branchenstruktur richtet DB Cargo auch die Standorte für die Instandhaltung der Lokomotiven und Güterwagen am Hauptkorridor seiner Transporte aus. DB Cargo hat 2025 die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Instandhaltungskapazitäten zu bündeln und die Anzahl von Werkstätten zu reduzieren. Ende 2025 führte DB Cargo bundesweit an 27 Standorten Instandhaltung von Lokomotiven und Wagen durch. Bis Ende 2026 sollen diese auf 18 Standorte reduziert werden. Damit sinkt die Anzahl der Instandhaltungswerke von 11 auf 7 und die Anzahl der Außenstellen von 16 auf 11. Mit der Konsolidierung der Instandhaltungskapazitäten steigt die Auslastung in den verbleibenden Werkstätten. Dadurch können Materialbevorratung sowie Infrastrukturausgaben vermieden werden. Die Reduzierung der Fixkosten sowie die effizientere Leistungserbringung zahlen unmittelbar auf die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Instandhaltungskosten von DB Cargo ein.
- Verkauf und Rückmietung von Lokomotiven und Güterwagen: DB Cargo hat mit dem Wagenvermieter GATX Rail Europe eine Sale-and-Leaseback-Vereinbarung für rund 6.000 Güterwagen geschlossen. Das Gesamtpaket umfasst unterschiedliche Wagentypen. Während der mehrjährigen Rückmietdauer mit unterschiedlichen Laufzeiten besitzt DB Cargo weiterhin den uneingeschränkten Zugriff auf die Wagen, bleibt für die Dauer der Mietzeit Wagenhalter und ist verantwortlich für die Instandhaltung sowie Beauftragung. Mit der Umsetzung erhöht sich der Anteil der gemieteten Wagen an der Gesamtflotte von rund 11 % auf rund 20 %.
Mit dem Vermieter Beacon Rail hat DB Cargo zudem eine Sale-and-Leaseback-Vereinbarung über 60 Diesel-Streckenlokomotiven der Baureihe Class 77 geschlossen. Beacon Rail wird auch die Instandhaltungsverantwortung als Wagenhalter mit dem Ziel übernehmen, die Verfügbarkeit dieser Lokomotiven deutlich zu erhöhen.
Der Verkauf mit Rückanmietung eines Teils der Schienenfahrzeugflotte ist ein Beitrag zur Transformation von DB Cargo, der die Vorhaltung von Lokomotiven und Wagen flexibilisiert. Die Verkaufserlöse leisten zudem einen Beitrag zur Verbesserung der finanziellen Situation von DB Cargo.
- Profitabilität von DB Cargo muss weiter gesteigert werden: Die operativen Ergebnisgrößen von DB Cargo haben sich 2025 verbessert, waren allerdings weiterhin negativ. Um das Ziel der Rentabilität bis Ende 2026 zu erreichen, müssen u. a. die Kosten weiter gesenkt werden. Gleichzeitig muss DB Cargo verlässlich und leistungsstark bleiben, um nach Jahren zurückgehender Verkehrsleistungen die angestrebte Trendumkehr zu erreichen. Positive Einmaleffekte aus Sale-and-Leaseback-Transaktionen dienten 2025 zur Überbrückung, bis die umgesetzten operativen Maßnahmen greifen.
DB Cargo hat gemeinsam mit einem externen Sanierungsgutachter 2025 ein umfassendes Sanierungskonzept für die DB Cargo AG erarbeitet. Hierauf basiert das im Februar 2026 durch den Gutachter vorgelegte Sanierungsgutachten (IDW S6). Nach der darin enthaltenen Aussage des Sanierungsgutachters ist die DB Cargo AG mit den eingeleiteten Maßnahmen in der Lage, trotz steigender Kosten und veränderter Marktbedingungen dauerhaft wirtschaftlich zu arbeiten.