Entwicklung der Geschäftsfelder

Digitalisierung und Innovation

Ganzheitliche Entwicklung

2025 setzte DB InfraGO die Weiterentwicklung von Bahnhöfen zu Zukunftsbahnhöfen fort. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Modernisierung der Bahnhöfe zur Steigerung ihrer Attraktivität und Leistungsfähigkeit. Bis Ende Dezember 2025 wurden 124 Bahnhöfe als Zukunftsbahnhöfe fertiggestellt. Insgesamt konnten 2024 und 2025 237 Bahnhöfe zu Zukunftsbahnhöfen weiterentwickelt werden.

Digitalisierung der Infrastruktur

Mit der Gründung des neuen Ressorts Digitale Infrastruktur und Kommunikationstechnik der DB InfraGO AG, der Verschmelzung der DB Kommunikationstechnik GmbH und der Übertragung des Bereichs Plan- und Abnahmeprüfung der DB Engineering & Consulting GmbH zur DB InfraGO AG wurde 2025 die Bündelung alle Kompetenzen für die Digitalisierung der Schieneninfrastruktur sowie die Adjustierung der Digitalen Schiene Deutschland (DSD) abgeschlossen. Im Rah­­men einer strategischen Neuausrichtung wurden fünf Fokusfel­der definiert: die Digitalisierung der Basisinfrastruktur, die Erneuerung der Stellwerkslandschaft, die streckenseitige Aus­­rüstung mit ETCS sowie eine enge Koordinierung zur ERTMS-Fahrzeugausrüstung und die Weiterentwicklung von mittelfristig wirk­­samen Zukunftstechnologien (z. B. ATO GoA 2).

Im Sommer 2025 wurde die im April 2024 veröffentlichte ETCS-Migrationsstrategie zurückgezogen, da die Branche die Ausrüstung der Fahrzeuge mit ETCS im avisierten Zeitraum nicht für umsetzbar hielt und auch infrastrukturseitig die Finanzierung seitens des Bundes mit Unsicherheiten verbun-den war. Die ETCS-Migrationsstrategie wird mit Bund und Branche nun aktualisiert.

Die bereits laufenden ETCS-Realisierungsprojekte wurden 2025 unverändert fortgeführt: So konnte auf dem neuen Kor­ridor Nordsee—Rhein—Mittelmeer auf einem rund 80 km lan­gen Streckenabschnitt zwischen Gundelfingen und Haltin­gen (Rheintalbahn) ETCS Level 2 implementiert werden. Auch bei der Digitalisierung der Stellwerke gab es Fortschritte: Auf der Strecke zwischen Halle (Saale) und ­Bitterfeld wurden die letzten Arbeiten an der Leit- und Siche­r­ungstechnik beendet. Diese bilden die Grundlage für die bevorstehende ETCS-Ausrüstung.

2025 hat die Einführung von FRMCS Fahrt aufgenommen. Die erste Phase wurde gestartet. Sie markiert den Start der Migration von GSM-R zu FRMCS und damit die Moderni­sierung der Betriebsabläufe. Zudem wurde im Rahmen der Korridorsanierung Hamburg — Berlin mit der Errichtung der passiven Funkinfrastruktur für FRMCS entlang der Strecke begonnen. Eine weltweite Premiere gab es auch an unserem digitalen Testfeld mit dem ersten kommerziellen 5G-Netz im 1.900-MHz-Band, das im September 2025 live ging. Praxistaug­liche Lösungen mit FRMCS werden nun zunehmend greifbar.

Im Digitalen Knoten Stuttgart wurden wesentliche Teile des Stellwerks und der Netzwerke für den Kernknoten in Betrieb gesetzt und Hochtastfahrten durchgeführt. Das Vergabeverfahren für die Infrastruktur im Umland (Baustein 3) wurde begonnen und ist inzwischen weit fortgeschritten. Per 31. Dezember 2025 waren 60 S-Bahn-Triebzüge mit ETCS und weiterer Technik ausgerüstet. Für zehn weitere Triebzüge war die Genehmigung beantragt. Bis zur Fertigstellung der ETCS-Ausstattung der Infrastruktur werden sie zunächst ohne ETCS wieder im Fahrgastbetrieb eingesetzt.

Im Kooperationsprojekt AutomatedTrain entwickelt der DB-Konzern gemeinsam mit acht Partnern die technische Machbarkeit einer fahrerlosen Bereit- und Abstellungsfahrt sowie die automatische Auf- und Abrüstung von Zügen. 2025 wurde der Umbau der beiden Testfahrzeuge (ein Mireo von Siemens Mobility und ein Zug der Baureihe 430 der S-Bahn Stuttgart) vorgenommen und die Inbetriebnahme des Systems beendet. Bis zum Ende 2025 wurden die ersten Testfahrten mit den umgerüsteten Fahrzeugen durchgeführt.

Bahnhofsvorplatz und Anschlussmobilität

Seit dem Vorjahr engagiert sich DB InfraGO mit der »Kompetenzstelle Bahnhofsvorplatz & Anschlussmobilität« für eine ganzheitliche Entwicklung der Bahnhofsumfelder. Ziel ist es, gemeinsam mit Kommunen, Ländern und Aufgabenträgern standortspezifische Vorplätze zu entwickeln, die einen positiven Beitrag zur Stadt- und Quartiersentwicklung leisten. Ein interdisziplinäres Team berät zu geeigneten Fördermitteln, erarbeitet Konzepte und unterstützt bei der Gestattung von Flächen. Neben der Bündelung von Angeboten der Anschlussmobilität und der Attraktivierung des öffentlichen Raums berücksichtigt die Kompetenzstelle Klimaresilienzmaßnahmen wie Entsiegelung und Wasserretention in ihren Vorplatzkonzepten. 2025 hat die Kompetenzstelle rund 200 Projekte bearbeitet.

Parallel dazu werden standardisierte Prozesse für die Zusammenarbeit mit Kommunen, insbesondere bei der Flächengestaltung, etabliert. Damit stärkt DB InfraGO seinen Fokus auf die kommunale Beratung zu Bahnhofsvorplätzen und setzt gleichzeitig Projekte aus seinem etablierten Produktportfolio in den Bereichen Anschlussmobilität, Aufenthaltsqualität und Logistik um.

Die Bike+Ride­-Offensive unterstützt Kommunen dabei, bundesweit zusätzliche wettergeschützte und gesicherte Stellplätze für Fahrräder an Bahnhöfen zu schaffen. Über 1.000 Kommunen haben sich seit Programmstart 2019 für die Zusammenarbeit registriert. Seit 2019 konnten mehr als 25.000 neue Stellplätze an rund 300 Bahnhöfen in Betrieb genommen werden. Neue Sammelschließanlagen in Fertigbauweise wurden in das Programm aufgenommen. Über die Informationsstelle Fahrradparken am Bahnhof haben wir seit 2021 zudem über 160 Kommunen bei der Planung und Umsetzung von Fahrradparkhäusern an Bahnhöfen beraten.

Mit der App DB Rad+ können Radfahrer:innen gefahrene Fahrradkilometer bei Partnergeschäften gegen Rabatte und Prämien einlösen. Das Angebot wurde im September 2025 deutschlandweit ausgeweitet. Die mit der App anonym und aggregiert erhobenen Daten erlauben es, die lokale Radinfra­struktur am und um den Bahnhof zu verbessern.

Kapazitäts- und Frequenzmanagement

Das Kapazitätsmanagement ist von hoher Bedeutung für die nachhaltige Leistungsfähigkeit der Bahnhöfe. Ziel ist es, die Bahnhöfe mit geeigneten Maßnahmen auf die wachsenden Reisendenzahlen vorzubereiten. Den Bezugsrahmen bildet das Angebotskonzept des Deutschland-Takts, das auf die Reisendenprognose 2040 des Bundes ausgerichtet wird. Seit 2021 wurden mehr als 450 Verkehrsstationen mittels eines Kapazitäts-Checks analysiert. Dadurch wurden kapazitative Hindernisse und Engstellen standardisiert erhoben und Maßnahmen zur Behebung eingeleitet. Durch die Anwendung eines einheitlichen Ordnungssystems an allen Bahnsteigen sollen die bestehenden Verkehrsflächen besser genutzt und die Reisenden besser auf den Bahnsteigen verteilt werden.

Zusätzlich wird an 100 Bahnhöfen ein Frequenzmanagementsystem (FQM) zur Erkennung von Kapazitätsengpässen ausgerollt. Mit einer Echtzeitmessung mittels Videotechnik wird ein Anstieg des Reisendenaufkommens frühzeitig erkannt und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von akuter Überfüllung ergriffen. Die Videodaten werden genutzt, um längerfristige Maßnahmen abzuleiten oder deren Effekt zu verifizieren. So lassen sich kostenintensive bauliche Maßnahmen vermeiden. 2025 wurden 18 Bahnhöfe mit FQM ausgestattet, insgesamt sind es nun 64.

WLAN an Bahnhöfen

Am Jahresende 2025 stand an über 600 Bahnhöfen ein kosten­loses WLAN-Angebot zur Verfügung. Die Realisierung dieses Angebots erfolgt sowohl durch DB-eigene WLAN-Instal­la­tionen als auch über WLAN-Netzwerke von Kooperationspartnern. Damit erreicht das WLAN-Angebot an Bahnhöfen mehr als die Hälfte aller Reisenden pro Tag. In der zweiten Jahreshälfte 2025 erfolgte die Vergabe eines weiteren Konzes­sionsvertrags an einen Kooperationspartner, über den in Zusammenarbeit mit Kommunen und Aufgabenträgern die Ausrüstung weiterer, vorwiegend kleinerer Bahnhöfe und Haltepunkte mit WLAN zu günstigen Konditionen ermöglicht wird.

Ausbau der Online-Kanäle

Die Internetseite bahnhof.de stellt Reisenden Informationen rund um Bahnhöfe diskriminierungs- und barrierefrei bereit, wie z. B. die dort befindlichen Reise- und Mobilitätsmöglichkeiten sowie Ausstattungs- und Serviceangebote. Insbesondere ist für jeden Bahnhof die aktuelle Abfahrtstafel jederzeit in Echtzeit abrufbar. Weitere Maßnahmen verbesserten 2025 die Internetseite spürbar:

  • Mit der Ortungsfunktion finden Nutzer:innen umliegende Bahnhöfe einfacher, inkl. Abfahrten, Ausstattung und Services.
  • Die Wagenreihung ermöglicht es, den richtigen Wagen inkl. Ausstattung zu finden.
  • Die Einführung des Features Fahrtverlauf liefert alle
    Halt- und Echtzeitinformationen.
  • Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit.

Digitales Abbild von Bahnhöfen

Als Teil der fortschreitenden Digitalisierung der Bahnhöfe führt das digitale Abbild Informationen aus dem Betriebsumfeld zusammen und unterstützt ausgewählte Arbeitsprozesse. Das Projektziel besteht im Aufbau und der Nutzung einer 3D-Visualisierungsplattform. Das digitale Abbild der Bahnhöfe definiert einen Standard für den Umgang mit 3D-Modellen, von der Speicherung und Visualisierung bis hin zur Nutzung in Fachprozessen wie Bauen, Betreiben und Vermarkten. Mit der Implementierung der Plattform wurde in 2025 ein zentraler Baustein für die digitale Transformation der Bahnhöfe geschaffen. Sie ermöglicht eine einheitliche und skalierbare Nutzung räumlicher und betrieblicher Daten über alle Standorte hinweg. Bereits für rund 150 Bahnhöfe können digitale Abbilder für operative Zwecke in der Fläche genutzt werden. Zwei Beispiele von vielen sind die Einweisung von Mitarbeitenden vor Ort oder die Mängelermittlung von Anlagen und deren Abarbeitung. Neben der automatisierten Erstellung der digitalen Abbilder aus hochauflösenden Scans können zudem 360°-Aufnahmen für eine vereinfachte ortsunabhängige Begehung verwendet werden.

Veröffentlichung von Infrastrukturdaten (OpenStation-Schnittstelle)

Mit dem vom Modernitätsfonds (mFUND) geförderten Projekt Data4PoM (Data for Points of Mobility) leistet DB InfraGO einen gemeinwohlorientierten Beitrag für den öffentlichen Verkehr. Ziel ist die Schaffung einer einheitlichen, maschinen­lesbaren Datengrundlage zu Haltestellen in Deutschland. Zentrale Elemente sind die standardisierte Haltestellen-ID (DHID) und die Spezifikation einer offenen OpenStation-Schnittstelle, die den branchenübergreifenden Austausch und die Nutzung von Daten ermöglicht. So werden mobilitätsrelevante Merkmale wie Aufzüge oder barrierefreie Wege standardisiert und aktuell bereitgestellt. Der europäische NeTEx-Standard wird dafür praxisnah umgesetzt und die Nutzung des Standards in der Branche gefördert. Die Veröffentlichung über den nationalen Zugangspunkt Mobilithek macht die Daten branchenübergreifend nutzbar – insbesondere für barrierefreies Reisen und digitale Mobilitätsdienste. Im zweiten Halbjahr 2025 wurde die technische Schnittstelle veröffentlicht.

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