Märkte und Strategie
Die Trassennachfrage hat sich 2025 von den negativen Auswirkungen aus Sonderereignissen im Vorjahr (GDL-Streiks und Unwetter) erholt. Im Schienenpersonenverkehr wurde und wird die Absatzentwicklung jedoch durch den Zustand der Infrastruktur und ein damit verbundenes hohes Bauvolumen (z. B. Korridorsanierung Hamburg — Berlin) gedämpft. Die konjunkturelle Lage führte zu Rückgängen im Schienengüterverkehr. 2025 konnten die konzernexternen EVU ihren Marktanteil weiter ausbauen, während die Nachfrage der konzerninternen EVU auf dem Vorjahresniveau lag. Die Entwicklung der Stationshalte zeigt insgesamt einen leichten Rückgang. Der Marktanteil konzerninterner EVU im Schienenpersonenverkehr ist moderat gestiegen.
Die strategische Ausrichtung von DB InfraGO ist in Handlungsfeldern formuliert und konzentriert sich darauf, das bestehende Streckennetz hochverfügbar und digital verdichtet bereitzustellen. Die Modernisierung des Bestandsnetzes hat dabei höchste Priorität. Bahnhöfe und Serviceeinrichtungen sollen für alle Nutzer:innen diskriminierungsfrei zugänglich und mit ausreichend Kapazitäten gestaltet werden. Das Schienennetz wird durch gezielten Aus- und Neubau sowie Elektrifizierungsmaßnahmen erweitert. Als Dokumentation für die Fortschritte bei der Modernisierung von Streckennetz und Bahnhöfen veröffentlicht DB InfraGO jährlich den InfraGO-Zustandsbericht. In diesem Bericht wird der Zustand eines Großteils der Netz- und Bahnhofsinfrastruktur anhand einer Schulnotenlogik abgebildet.
- Verfügbarkeit und Betrieb: Das Handlungsfeld zielt auf die kontinuierliche Stabilisierung der Anlagenverfügbarkeit und die Steigerung der betrieblichen Qualität. Infrastrukturbedingte Verspätungen sollen reduziert und Langsamfahrstellen zügig beseitigt werden. Dafür werden besonders pünktlichkeitsrelevante Gleise, Weichen und Bahnübergänge erneuert, wodurch der Zustand des Hochleistungsnetzes insgesamt verbessert werden soll. Ein neues Bewirtschaftungssystem (»Bauen im Takt«) mit verbindlichen und vorausgeplanten Sperrzeiten (Containern) ermöglicht eine frühzeitige Kommunikation der Bauphasen an die EVU. Gleichzeitig soll durch diese fokussierte Modernisierung der Anlagenzustand verbessert und durch feste Instandhaltungsintervalle stabil gehalten werden. Zur Stabilisierung des Betriebs wird der Personalbestand auf Stellwerken durch gezielte Maßnahmen in den Bereichen Steuerung, Rekrutierung und Qualifizierung des Stellwerkspersonals gesichert.
- Transformation des hochbelasteten Netzes in ein Hochleistungsnetz: Ziel des Handlungsfelds ist es, über Modernisierungen der wichtigsten Schienenkorridore Stabilitätsanker für das System Schiene zu schaffen. Im Rahmen der Korridorsanierungen bündelt DB InfraGO alle erforderlichen Arbeiten, um den Zustand von Infrastruktur und Bahnhöfen innerhalb weniger Monate gewerkeübergreifend zu verbessern. Im Rahmen des Handlungsfelds Hochleistungsnetz wurde die gezielte Verbesserung von Zuverlässigkeit und Kapazität in den Knoten als Maßnahme definiert. Genauso wurde für die Instandhaltung der Fokus auf präventive und prädiktive Maßnahmen sowie auf eine schnelle 24/7-Entstörung gelegt.
- Schnelle Kapazitätserweiterung: In diesem Handlungsfeld sollen kleine und mittlere Maßnahmen die Engpasssituation und die Störungsresilienz des Netzes verbessern. Sie steigern die Pünktlichkeit und die verbleibende Leistungsfähigkeit insbesondere bei technischen Störungen und Bautätigkeiten im Hochleistungsnetz. Dazu zählen infrastrukturelle Projekte wie zusätzliche Überleitmöglichkeiten, Signale, Gleiswechselbetriebe oder neue Bahnsteige. Diese Maßnahmen wirken sich positiv auf alle Verkehrsarten aus.
- Flächennetz: Das Handlungsfeld setzt auf den Bestandserhalt der gesamten Infrastruktur als Basis für eine hohe Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs. Entsprechend muss auch das Flächennetz als Basis leistungsfähig betreibbar bleiben bzw. werden.
- Aus- und Neubau: In diesem Handlungsfeld werden zusätzlich entsprechende Bauprojekte sowie Streckenelektrifizierungen umgesetzt, um die erforderlichen Kapazitäten für die Umsetzung des Deutschland-Takts bereitzustellen.
- Zukunftsbahnhöfe: In diesem Handlungsfeld soll in Bahnhöfen und deren Umfeld die wahrnehmbare Qualität durch einheitliche Produkt- und Produktionsstandards kontinuierlich verbessert werden. Ziel ist die ganzheitliche Modernisierung der Bahnhöfe durch Umsetzung kundenorientierter Standards in allen Bereichen, stets in partnerschaftlicher Abstimmung mit Ländern, Städten und Kommunen. Durch Standardisierung und zunehmende Digitalisierung sollen Prozesse verschlankt, Instandhaltungsmaßnahmen optimiert und bedarfs- sowie zustandsorientierte Produktionskonzepte realisiert werden.
- Digitalisierung: In diesem Handlungsfeld liegt neben dem Roll-out des Zugbeeinflussungssystems European Train Control System (ETCS) ein Schwerpunkt auf der Inbetriebnahme von ETCS-fähigen Stellwerken. Die ETCS-Umrüstung fokussiert insbesondere den Digitalen Knoten Stuttgart (DKS), den Korridor Scandinavian Mediterranean (Scan Med) sowie den Korridor Rhine-Alpine. Bei der Modernisierung der Hochleistungskorridore erfolgt die Umrüstung direkt oder es werden die Voraussetzungen für eine spätere ETCS-Installation geschaffen, bspw. auf dem Korridor Berlin — Hamburg. Weitere Zukunftstechnologien wie das teilautomatisierte Fahren (GoA 2) und ein kapazitätsorientiertes Verkehrsmanagementsystem (CTMS) werden schrittweise in das Bahnsystem integriert. Im Digitalen Knoten Stuttgart erfolgt diese Umsetzung erstmalig.
- Nachhaltigkeit und Umwelt: In diesem Handlungsfeld werden u. a. zentrale Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität gebündelt. Dies sind u. a. die weitere Elektrifizierung von Strecken – auch mittels Umgestaltung der eigenen Produktionsprozesse – sowie die Reduktion der Treibhausgasemissionen aus Bau und Betrieb der Infrastruktur. Weitere treibhausgasreduzierende Maßnahmen werden z. B. in der Gebäudebewirtschaftung umgesetzt. Im Geschäftsbereich Personenbahnhöfe sollen die absoluten Scope-1- und -2-Emissionen u. a. durch den Einsatz von 100 % Ökostrom in den durch DB Energie versorgten Gebäuden und Werken sowie durch eine klimafreundlichere Gestaltung unserer Wärmeversorgung reduziert werden. Auch der Energieverbrauch soll stetig durch Energieeffizienzmaßnahmen wie z. B. den Umstieg auf LED-Beleuchtung reduziert werden. DB InfraGO setzt darüber hinaus auf ein gesamthaftes nachhaltiges Vegetationsmanagement, das ein koordiniertes Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen vorsieht, auf Ressourcenschutz durch die Förderung kreislaufwirtschaftlicher Ansätze, auf Lärmschutz sowie weitere Umweltschutzmaßnahmen.