Zugunglück Garmisch-Partenkirchen
Die unabhängige interne Untersuchung, die DB InfraGO im Nachgang des tragischen Zugunfalls mit fünf Toten und 72 Verletzten am 3. Juni 2022 in Garmisch-Partenkirchen beauftragt hat, ist abgeschlossen. Damals entgleiste ein Regionalexpress zwischen den Bahnhöfen Garmisch-Partenkirchen und Farchant auf der Höhe von Burgrain. Unfallursächlich waren schadhafte Betonschwellen. Die Betonschwellen wiesen aufgrund von chemischen Reaktionen keine ausreichende Tragfähigkeit mehr auf.
Die vom Vorstand der DB InfraGO AG beauftragte Anwaltskanzlei Gleiss Lutz hat am 1. September 2025 einen Abschlussbericht vorgelegt. Gleiss Lutz kommt zu dem Ergebnis, dass der Zugunfall vermeidbar war. Der Unfall war die unmittelbare Folge regel- und pflichtwidrigen Verhaltens des vor Ort tätigen betrieblichen Personals. Gleichzeitig hat die damalige DB Netz AG nur unzureichend auf die auf mehreren Ebenen in der Organisation vorliegenden umfangreichen Erkenntnisse zu geschädigten Betonschwellen reagiert und den Unfall hierdurch ermöglicht. Dies schließt damals ressortverantwortliche Vorstandsmitglieder ein.
DB InfraGO hat umfangreiche Konsequenzen aus dem Unfall gezogen und Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehören Maßnahmen gegen alle pflichtwidrig handelnden Personen sowie Vorkehrungen zur Verhinderung von künftigem Fehlverhalten auf allen Ebenen. Darüber hinaus wird die DB InfraGO AG Ersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder geltend machen.
Für das weitere Remediationsprogramm hat Gleiss Lutz in einem strukturierten Verfahren die tieferliegenden systemischen Ursachen analysiert, die zu dem Unfall geführt haben. Dies umfasst insbesondere organisatorische, prozessuale und kulturelle Defizite. Daraus abgeleitet, hat DB InfraGO ein umfassendes Projekt aufgesetzt, um diese Defizite systematisch und nachhaltig abzuarbeiten. Das Projekt soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Es umfasst insbesondere:
- organisatorische Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheitsarchitektur (Berichtslinien, Kontrollkonzepte),
- Weiterentwicklung von Prozessen, Richtlinien und Unterstützungssystemen einschließlich Wissensmanagement und Informationsfluss mit dem Ziel einer ganzheitlichen Risikosteuerung sowie
- Kultur- und Sensibilisierungsmaßnahmen zur Stärkung der Sicherheitskultur.
Die Maßnahmen sind nicht auf den Bereich der Betonschwelle beschränkt, sondern grundsätzlich gewerkeübergreifend. Gleiss Lutz wird im Rahmen eines freiwilligen Monitorings die Umsetzung der sog. Remediationsmaßnahmen begleiten, um die Beseitigung der festgestellten Defizite sicherzustellen.