Ergebnisabführungs- und Beherrschungsverträge
Gewinnabführungen und Verlustausgleiche zwischen Gesellschaften in Deutschland sind keine Leistungsbeziehungen. Vielmehr wird durch den Ergebnisabführungsvertrag (EAV) die Frage der Höhe der Gewinnausschüttung bzw. eines erforderlichen Verlustausgleichs nicht jedes Jahr neu gestellt, sondern erfolgt automatisch. Der Zahlungsfluss begründet sich im Recht des Gesellschafters auf die Gewinne oder in seiner Verpflichtung zum Ausgleich von Verlusten. Dessen ungeachtet sorgt der DB-Konzern dafür, dass Konzerngesellschaften über eine angemessene Eigenkapitalausstattung verfügen – trotz der übernommenen Verpflichtung, mögliche Verluste einzelner Konzerngesellschaften auszugleichen.
Kapitalgeber sind nur bereit, Kapital zur Verfügung zu stellen, wenn Amortisation und Verzinsung gewährleistet sind. Eine rein schuldenbasierte Finanzierung ist nicht marktfähig, da mit zu hohen Risiken verbunden. Gewinne sind essenziell, um die Investitionsfähigkeit des DB-Konzerns zu erhalten. Die erwirtschafteten Gewinne werden entweder thesauriert oder an den Alleingesellschafter Bund ausgeschüttet. Der im DB-Konzern verbleibende (thesaurierte) Anteil des Gewinns erhöht die Investitions- und Verschuldungskapazität.
Die Umsetzung der jährlichen Gewinnabführungen und Verlustausgleiche im DB-Konzern spiegelt sich im Beteiligungsergebnis der DB AG wider.
Der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der DB AG und der DB Cargo AG wurde zum 31. Dezember 2024 gekündigt – für die weitere Zusammenarbeit wurde ein Konzernkoordinierungsvertrag (KKV) abgeschlossen. Verträge sowie Leistungsvereinbarungen sind in der bestehenden Arbeitsteilung weiterhin möglich und üblich; die bestehenden Tarifverträge und Konzernbetriebsvereinbarungen gelten weiterhin. Die DB AG als Muttergesellschaft übt Leitungsmacht aus. Die DB Cargo AG bleibt fester und integrierter Bestandteil des DB-Konzerns.
| Finanzflüsse DB AG und DB-Infrastrukturgesellschaften / in Mio. € | 2000 bis 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | Insge- samt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Aus Kapitalerhöhungen durch die DB AG | |||||||||||||||
| DB InfraGO AG | +1.220 | +5 | – | – | – | +1.000 | – | – | – | +1.125 | +1.300 | +1.125 | +5.503 | +8.329 | +19.607 |
| DB Station&Service AG 1) | +439 | – | – | – | – | – | – | – | – | +1.000 | +49 | +2 | – | – | +1.490 |
| Insgesamt | +1.659 | +5 | – | – | – | +1.000 | – | – | – | +2.125 | +1.349 | +1.127 | +5.503 | +8.329 | +21.097 |
| Aus EAV an die (–)/von der (+) DB AG | |||||||||||||||
| DB InfraGO AG | +786 | –66 | –217 | –81 | –280 | –390 | –509 | –402 | +23 | +139 | –403 | +1.634 | +209 | +392 | +835 |
| DB Station&Service AG 1) | –778 | –169 | –188 | –203 | –176 | –186 | –190 | –146 | +32 | +61 | +2 | –7 | – | – | –1.948 |
| DB Energie GmbH | –587 | +37 | –39 | –51 | –35 | –59 | –12 | +3 | +66 | –126 | –140 | –166 | –46 | –135 | –1.290 |
| Insgesamt | –579 | –198 | –444 | –335 | –491 | –635 | –711 | –545 | +121 | +74 | –541 | +1.461 | +163 | +257 | –2.403 |
| Dividendenzahlung an den Bund (für Vorjahr) | |||||||||||||||
| DB AG | –1.025 | –525 | –200 | –700 | –850 | –600 | –450 | –650 | –650 | – | – | –650 | – | – | –6.300 |
(+) Mittelzufluss
( – ) Mittelabfluss
1) Die DB Station&Service AG wurde mit Wirkung zum 1. Mai 2023 auf die DB InfraGO AG verschmolzen.
Ergebnisverwendung der Eisenbahn- infrastrukturunternehmen
Für die Verwendung von Gewinnen der Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) des DB-Konzerns (DB InfraGO AG und DB Energie GmbH) ist in § 8d Abs. 2 ERegG (Finanzielle Transparenz) festgelegt, dass Gewinne der EIU entweder dort verbleiben oder unter der Bedingung an eine Muttergesellschaft ausgeschüttet werden dürfen, dass diese sie wiederum als Dividende an den Bund abführt. Eine Quersubventionierung in Richtung der Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU)oder anderer wettbewerblicher Bereiche innerhalb des DB-Konzerns ist damit gesetzlich ausgeschlossen.
Im Rahmen der LuFVµ 328 f. (§ 2a LuFV III) haben Bund und DB-Konzern den gesetzlichen Vorschriften folgend vertraglich vereinbart, dass im Falle einer Dividendenzahlung der DB AG an den Bund die Dividende vom Bund zur Durchführung von Ersatzinvestitionen in die Schienenwege der EIU des DB-Konzerns eingesetzt wird. Die Ermittlung der Dividendenhöhe auf Basis des HGB-Jahresabschlusses wird entsprechend der Rechtsgrundlagen aus dem HGB und dem AktG umgesetzt.
Die HGB-Jahresergebnisse der EIU werden an die DB AG abgeführt oder von der DB AG ausgeglichen und anschließend saldiert an den Bund ausgeschüttet und über die LuFV III vollständig wieder in die Schieneninfrastruktur reinvestiert. Durch diesen »Mechanismus« fließen die HGB-Jahresüberschüsse der EIU als zusätzliche Baukostenzuschüsse vollständig in die Schieneninfrastruktur und verbleiben dort. Ein Verbleib von Gewinnen (Jahresüberschüssen) der EIU bei der DB AG ist damit ausgeschlossen. Dieser Finanzierungskreislauf gewährleistet, dass Gewinne der EIU vollständig der Schieneninfrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Dieser »Mechanismus« wird von einem Wirtschaftsprüfer überprüft und testiert. 2025 erzielten die EIU des DB-Konzerns insgesamt keinen Jahresüberschuss nach dem HGB, insofern kam der »Mechanismus« nicht zum Tragen.
Darüber hinausgehende Dividendenzahlungen der DB AG, die nicht aus Gewinnen der EIU stammen, sind in ihrer Verwendung durch den Bund nicht beschränkt.
Die Nachvollziehbarkeit des Finanzierungskreislaufs auf Basis des Geschäftsberichts des DB-Konzerns und der HGB-Einzelabschlüsse der EIU war bisher aus folgenden Gründen nur eingeschränkt möglich:
- Im Geschäftsbericht des DB-Konzerns wird über die Geschäftsfelder DB InfraGO und DB Energie berichtet. Die Kennzahlen des Geschäftsfelds DB InfraGO umfassen neben der DB InfraGO AG auch deren Tochtergesellschaften. Zudem werden Beziehungen zwischen vollkonsolidierten Gesellschaften des Geschäftsfelds bereinigt (Konsolidierung). Das Geschäftsfeld DB Energie besteht ausschließlich aus der DB Energie GmbH.
Im Einzelabschluss der DB InfraGO AG sind die Tochtergesellschaften nur im Beteiligungsergebnis (Saldo aus Erträgen und Aufwendungen aus Beherrschungs- und Ergebnisabführungsverträgen der Tochtergesellschaften der DB InfraGO AG) enthalten.
- Die Einzelabschlüsse der DB InfraGO AG und der DB Energie GmbH werden gem. dem deutschen HGB, der DB-Konzernabschluss nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS aufgestellt. Daraus resultieren ergebniswirksame Bewertungsunterschiede:
- Bei der DB InfraGO AG resultierten sie 2025 insbesondere aus der Aktivierbarkeit von Fremdkapitalzinsen sowie der Bewertung des Anlagevermögens (Auswirkung auf die Abschreibungshöhe).
- Bei der DB Energie GmbH resultierten sie 2025 v. a. aus der Neubewertung von Strombezugsverträgen sowie Effekten aus Rückstellungszuführungen im Zusammenhang mit der Stilllegung von Anlagen.
- Das Ergebnis nach Steuern gem. IFRS der DB InfraGO AG und der DB Energie GmbH insgesamt war 2025 im Vergleich zum Ergebnis nach Steuern nach dem HGB deutlich besser.
Eine Überleitung der IFRS-Ergebnisse der Geschäftsfelder DB InfraGO und DB Energie auf die HGB-Ergebnisse nach Steuern der DB InfraGO AG und der DB Energie GmbH enthält die folgende Tabelle:
| Überleitung IFRS-Zahlen zum HGB-Einzelabschluss der EIU 2025 / in Mio. € | IFRS | HGB | Bewertungsunterschied | IFRS | HGB | Bewertungsunterschied | IFRS | HGB | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| absolut | % | absolut | % | |||||||||
Geschäftsfeld DB InfraGO | Geschäftsfeld DB Energie | EIU insgesamt | ||||||||||
| EBIT | 10 | ‒ | ‒ | ‒ | 115 | ‒ | ‒ | ‒ | 125 | ‒ | ||
| Operativer Zinssaldo | ‒173 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒9 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒182 | ‒ | ||
| Operatives Ergebnis nach Zinsen | ‒163 | ‒ | ‒ | ‒ | 106 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒57 | ‒ | ||
| PPA-Amortisation Kundenverträge | ‒1 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒1 | ‒ | ||
| Übriges Finanzergebnis | ‒8 | ‒ | ‒ | ‒ | 0 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒8 | ‒ | ||
| Beteiligungsergebnis | 0 | ‒ | ‒ | ‒ | 0 | ‒ | ‒ | ‒ | 0 | ‒ | ||
| Ergebnis aus Sondereffekten | ‒55 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒38 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒93 | ‒ | ||
| Ergebnis vor Steuern | ‒226 | ‒ | ‒ | ‒ | 68 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒158 | ‒ | ||
| Steuern vom Einkommen und Ertrag | ‒4 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒4 | ‒ | ||
| Ergebnis nach Steuern | ‒230 | ‒ | ‒ | ‒ | 68 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒162 | ‒ | ||
| Ergebnis nach Steuern (Beteiligungen DB InfraGO AG inkl. Konsolidierung) | 3 | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | ‒ | 3 | ‒ | ||
DB InfraGO AG | DB Energie GmbH | EIU insgesamt | ||||||||||
| Ergebnis nach Steuern | ‒233 | ‒392 | +159 | ‒40,6 | 68 | 135 | ‒67 | ‒49,6 | ‒165 | ‒257 | ||
| Umsatzerlöse | 8.490 | 8.987 | ‒497 | ‒5,5 | 3.444 | 3.361 | +83 | 2,5 | 11.934 | 12.348 | ||
| Bestandsveränderungen | 26 | 14 | +12 | +85,7 | 2 | 2 | ‒ | ‒ | 28 | 16 | ||
| Andere aktivierte Eigenleistungen | 2.364 | 2.417 | ‒53 | ‒2,2 | 40 | 40 | ‒ | ‒ | 2.404 | 2.457 | ||
| Sonstige betriebliche Erträge | 4.245 | 4.066 | +179 | +4,4 | 66 | 48 | +18 | +37,5 | 4.311 | 4.114 | ||
| Materialaufwand | ‒5.446 | ‒5.340 | ‒106 | +2,0 | ‒3.015 | ‒2.903 | ‒112 | +3,9 | –8.461 | ‒8.243 | ||
| Personalaufwand | ‒5.586 | ‒5.603 | +17 | ‒0,3 | ‒195 | ‒196 | +1 | ‒0,5 | ‒5.781 | ‒5.799 | ||
| Abschreibungen | ‒1.152 | ‒1.236 | +84 | ‒6,8 | ‒77 | ‒51 | ‒26 | +51,0 | ‒1.229 | ‒1.287 | ||
| Sonstige betriebliche Aufwendungen | ‒3.025 | ‒3.500 | +475 | ‒13,6 | ‒149 | ‒158 | +9 | ‒5,7 | ‒3.174 | ‒3.658 | ||
| Operativer Zinssaldo/Zinsergebnis | ‒172 | ‒280 | +108 | ‒38,6 | ‒9 | ‒8 | ‒1 | +12,5 | ‒181 | ‒288 | ||
| Beteiligungsergebnis | 84 | 83 | +1 | +1,2 | 0 | 0 | ‒ | ‒ | 84 | 83 | ||
| Übriges Finanzergebnis | ‒7 | ‒ | ‒7 | ‒ | 0 | 1 | ‒1 | ‒100 | ‒7 | 1 | ||
| Ergebnis aus Sondereffekten | ‒55 | ‒ | ‒55 | ‒ | ‒38 | ‒ | ‒38 | ‒ | ‒93 | ‒ | ||
Einzelwerte sind gerundet und addieren sich ggf. nicht auf.
- Keine Gewinnabführung an den Bund: Für 2025 werden durch die DB AG infolge des insgesamt negativen Ergebnisses nach Steuern nach dem HGB der EIU keine Gewinne der EIU an den Bund abgeführt.
- Verlustausgleich durch die DB AG: Die insgesamt erwirtschafteten Verluste der EIU nach dem HGB werden, wie in den beiden Vorjahren, aufgrund der Beherrschungs- und Ergebnisabführungsverträge durch die DB AG ausgeglichen.
- Keine zusätzlichen Baukostenzuschüsse in 2026: Es werden dementsprechend 2026 über den Finanzierungskreislauf keine zusätzlichen Baukostenzuschüsse im Sinne der LuFV für die Eisenbahninfrastruktur durch den Bund bereitgestellt.