Produktqualität und Digitalisierung

Konzernsicherheit

Managementansatz und Ziele

Sicherheit ist ein Grundbedürfnis aller Menschen. Für unsere Kund:innen ist Sicherheit ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl des Verkehrsmittels. Für unsere Mitarbeitenden ist Sicherheit Voraussetzung für verantwortungsvolle und kundenorientierte Arbeit. Wir tragen täglich die Verantwortung für Millionen von Menschen und Gütern, die auf unserer ­Infrastruktur unterwegs sind. Der Schutz vor Angriffen, Diebstählen und anderen Straftaten entlang von Produktions­abläufen und Reiseketten ist oberstes Anliegen der Sicherheitsorganisation des DB-Konzerns. Die DB-internen Stellen stehen dabei im ständigen Dialog mit den Sicherheitsbehörden. Der Lageaustausch der Konzernsicherheit mit dem Bundespolizeipräsidium ist rund um die Uhr gemeinschaftliche Aufgabe von DB-Konzern und Bundespolizei in unserem Sicherheitszentrum Bahn. Die Lage- und Einsatzzentralen in den Regionalbereichen von DB Sicherheit koordinieren regionale Sicherheitsthemen und sind 24/7 Ansprechpartner für die Geschäftsfelder, konzerninterne und -externe Eisenbahnverkehrsunternehmen und Behörden. Insgesamt sind bundesweit mehr als 6.000 Bundespolizist:innen und rund 4.500 Sicherheitskräfte für den DB-Konzern im Einsatz. DB-Konzern und Bundespolizei stellen kontinuierlich Mitarbeitende ein und erweitern die Ausbildungskapazitäten. Rund 100 Auszubildende begannen im Herbst die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit im DB-Konzern. Damit sichern bundesweit rund 250 Auszubildende den Bedarf an Nachwuchskräften in diesem Aufgabenfeld. Zur Erfüllung der Pflichten aus dem erwarteten KRITIS-Dachgesetz stellt der DB-Konzern bis zu 500 zusätzliche Sicherheitskräfte ein. Die ersten 250 von ihnen haben seit 2023 die Ausbildung durchlaufen und sind im Schwerpunkt für den Schutz der Infrastruktur im Einsatz. Im besonderen Fokus stehen der Aufbau und die Quali­fizierung eigener Ressourcen und die Reduzierung des Ein­satzes von Sicherheitskräften beauftragter Unternehmen. Neben der Ausbildung sind konti­nuierliche Fortbildung und Training wesentliche Voraussetzungen für eine stabile Sicherheitslage. Alle im DB-Konzern eingesetzten Sicherheitskräfte wurden 2024 den gesetzlichen Vorgaben entsprechend mindestens viermal jährlich mit insgesamt 24 Fortbildungsstunden geschult. Je nach Tätigkeit absolvieren die Mitarbeitenden von DB Sicherheit zusätzlich bis zu 112 Stunden Fortbildung. Fester Bestandteil sind kontinuierliche Schulungen zu Deeskalation und Eigensicherung. Zivil- und strafrechtliche Lehrinhalte dienen der Handlungssicherheit und werden im Kontext zu Grund- und Menschenrechten vermittelt. Zum professionellen und empathischen Umgang mit allen Menschen in Bahnhöfen und Zügen sind soziale und interkulturelle Kompetenzen Teil der Schulungen. Dabei ist die Vielfalt der Perspektiven und Kulturen bereits durch die Teilnehmenden gegeben: Bei DB Sicherheit arbeiten Menschen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen.

Entwicklung von Straftaten

Die Zahl von Straftaten zulasten des DB-Konzerns und seiner Kund:innen liegt 2024 über dem Vorjahresniveau (rund +15%). Auffällig ist der Anstieg der gefährlichen Eingriffe (rund +42%) und der Hausrechtsverstöße (rund +37%). Immer häufiger ergänzt Technik den für Sicherheit unverzichtbaren Faktor Mensch, ob Videotechnik, Drohnen, Sensorik, Auswertung von Daten und Informationen mit KI. Die Zahl der Metalldiebstähle (rund +10%) ist angestiegen. Ein starker Rückgang ist dagegen bei den Fahrkartenautomatenaufbrüchen (rund –46%) zu verzeichnen. Auch die Zahl der Graffitistraftaten (rund –10%) ist zurückgegangen.

Sicherheit in Zügen

Das konzernweite Programm Sicher unterwegs fokussiert Maßnahmen, die eine spürbare Erhöhung der Sicherheit für Mitarbeitende sowie Kund:innen bewirken. DB Fernverkehr hat seit 2019 sukzessive die Unterstützung durch DB Sicherheit an Bord der Fernverkehrszüge durch zusätzliche Sicherheitsleistungen ausgebaut. Den Einsatz zusätzlicher Sicherheitskräfte gibt es insbesondere bei Anlässen wie Fußball-Fanreiseverkehr oder Großveranstaltungen, inzwischen aber auch an frequenzstarken Reisetagen im Regelbetrieb. Mitarbeitende von DB Sicherheit sind sowohl im Nacht- als auch im Tagesreiseverkehr im Einsatz und unterstützen die Mitarbeitenden an Bord der Fernverkehrszüge, steigern das Sicherheitsgefühl der Reisenden und leisten einen wichtigen Beitrag zur Abwehr krimineller Handlungen. Damit erfüllen wir die Bedürfnisse von Kund:innen, Mitarbeitenden und Interessenvertretungen.

Ausbau von Videotechnik

Ein entscheidender Baustein für mehr Sicherheit ist der Einsatz von Videotechnik. Bis Ende 2024 haben wir die Zahl der Videokameras in Bahnhöfen auf rund 11.000 erhöht. Damit sind auf den Bahnhöfen so viele Videokameras wie nie zuvor verbaut. Dabei ist durch den Ersatz älterer Videoanlagen der Anlagenbestand inzwischen nahezu einheitlich – insbesondere, was die Bildqualität und die je Kamera erfassten Bereiche betrifft. Zugriff auf die Aufzeichnungen hat ausschließlich die Bundespolizei. Für den DB-Konzern hingegen ist die Betriebsüberwachung und die Gewährleistung der Verkehrssicherungspflichten zentraler Nutzungsaspekt. Zu diesem Zweck haben DB-Mitarbeitende Zugriff ausschließlich auf Livebilder der Kameras.

Auch beim Schutz seiner Mitarbeitenden setzt der DB-Konzern zunehmend auf Videotechnik. Nachdem DB Regio 2023 erstmals Bodycams bei Zugbegleiter:innen eingesetzt hat, steht inzwischen allen Zugbegleiter:innen von DB Regio, bei Vorliegen einer entsprechenden Kriminalitätsentwicklung, die Möglichkeit offen, im Dienst Bodycams zu tragen. Im Praxiseinsatz bei DB Regio bestätigen sich die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Tests sowie die seit 2016 gesammelten Erfahrungen mit Bodycams bei Mitarbeitenden von DB Sicherheit: Mit Bodycam ausgestattete Mitarbeitende werden sehr selten angegriffen. Allein die Präsenz der Bodycam hat nach Angaben der am Test Beteiligten zahlreiche potenziell kritische Situationen verhindert. So wurden bspw. Diskussionen um ungültige Fahrausweise beendet, wenn die Dokumentation per Videobild angekündigt wurde.

Auch in den Zügen des Regional- und S-Bahn-Verkehrs steigt die Zahl der Kameras weiter: Inzwischen sorgen rund 52.000 Videokameras im Bedarfsfall für Beweismaterial. Damit ist der Innenraum von mehr als 80% der Nahverkehrsflotte videoüberwacht.

Bedrohungsmanagement 24/7

Mitarbeitende sollen ohne gesundheitliche Risiken und ohne Belastungen arbeiten können. Viele Mitarbeitende finden in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld dafür nicht immer die richtige Ansprechperson. Die Expert:innen des Bedrohungsmanagements stehen den Mitarbeitenden rund um die Uhr geschäftsfeldübergreifend als Ansprechpartner:innen bei Bedrohungen und persönlichen Belastungen zur Verfügung. Die Aktivitäten reichen von der anonymen Erstberatung über die Vermittlung von weiterführenden Hilfsangeboten bis zur unmittelbaren Intervention im Arbeitsumfeld oder Anforderung behördlicher Unterstützung. 2024 verzeichnete das Team Be­drohungsmanagement rund 70 Fälle (im Vorjahr: rund 50 Fälle), die eine weitergehende Betreuung erforderten.

Prävention

Immer wieder kommt es zu Unfällen an Bahnanlagen, weil Menschen die Gefahren von fahrenden Zügen, Geschwindigkeiten und elektrischer Spannung unterschätzen und Schutzabstände nicht einhalten. Halten sich bahnfremde Personen auf Gleisen auf, muss oft der Bahnbetrieb unterbrochen werden. Zum Schutz vor Unfällen und um Unterbrechungen des Bahnbetriebs zu vermeiden, setzt der DB-Konzern auf Aufklärung und Sensibilisierung. 2024 konnte der Aufbau zusätzlicher Präventionskräfte abgeschlossen werden. Bundesweit sensibilisieren jetzt 24 und damit gegenüber 2022 doppelt so viele Expert:innen mit Veranstaltungen an Bahnhöfen und in Schulen vor allem Jugendliche zu den Gefahren an Bahnanlagen.

Zusammenarbeit mit der Bundespolizei

Wir erhöhen weiterhin kontinuierlich die Präsenz eigener Sicherheitskräfte. Teils über die verkehrsvertraglichen Vorgaben hinaus werden so die Sicherheitsbedürfnisse in Zügen und Bahnhöfen erfüllt. Im Rahmen der Ordnungspartnerschaft besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Im gemeinsam besetzten Sicherheitszentrum Bahn werden alle sicherheitsrelevanten Themen und Lagen erfasst und bewertet. Die kontinuierliche Abstimmung gewährleistet effektive Entscheidungen zu Sicherheitsmaßnahmen und Interventionen im Rahmen der vereinbarten Sicherheitskonzepte. Gemeinsame Übungen, die Vermittlung von Qualifika­tionen für den Einsatz im Bahnbereich und die gemeinschaftliche Planung und Bewältigung von besonderen Lagen, z. B. beim Fußball-Fanreiseverkehr, sind weitere Bestandteile der Ordnungspartnerschaft.

Corporate Security Platform

Die digitale Corporate Security Platform (CSP) zur Erfassung sicherheitsrelevanter Ereignisse in Deutschland ermöglicht für 2024 erstmals die Erstellung eines umfassenden Lage­bildes für alle Geschäftsfelder. Rund 128.000 Mitarbeitende haben die Möglichkeit, Meldungen und Ereignisse in der CSP zu er­fas­s­­en. Darunter sind nahezu alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt, die Ereignisse über geschäftsfeldspezifische Melde- und Berichtssysteme einspeisen können.

Seit Herbst 2024 komplettiert die CSP-App auf den dienstlichen Endgeräten die Eingabemöglichkeiten. Die Einbindung aller Geschäftsfelder, der regelmäßige Austausch mit den initi­ierenden Mitarbeitenden sowie die kontinuierliche Zusam­menarbeit mit den Interessenvertretungen schaffen hohe Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft. Die CSP ermöglicht eine schnel­lere Kenntnis von Gefahrenlagen, ein schnelleres und gezielteres Reagieren und dass gewonnene Lageerkenntnisse unmittelbar in Sicherheitsmaßnahmen und langfristig in Sicherheitskonzepte einfließen können.

Übergriffe auf Mitarbeitende

Infolge der schrittweisen Einführung der Sicherheitsplattform CSP als Datenerfassungsgrundlage ist die Vergleichbarkeit einzelner Werte zu Übergriffen auf Mitarbeitende im Vorjahresvergleich eingeschränkt.

Die Zahl der Angriffe auf Mitarbeitende (einschließlich Androhungen und Versuchen) lag 2024 mit 3.324 Fällen (im Vorjahr: 3.144 Fälle) in etwa auf Vorjahresniveau. Die meistbetroffenen Berufsgruppen sind das Zugbegleitpersonal mit 64% sowie die Sicherheits- und Ordnungsdienste mit 30%. Häufig entsteht Gewalt gegen Zugpersonal im Zusammenhang mit nicht vorhandenen oder ungültigen Tickets oder bei der Durchsetzung der Hausordnung. Mitarbeitende mit Bodycams sowie Sicherheitskräfte mit Schutzhunden wurden so gut wie nicht angegriffen.

Ausbaustein »Sicher unterwegs«

Mit dem Mitarbeitendenausbaustein »Sicher unterwegs« haben die Mitarbeitenden Sicherheit mit als ein zentrales strategisches Element definiert. Durch die Zusammenarbeit der Konzernsicherheit mit den Geschäftsfeldern und in Abstimmung mit Mitarbeitenden werden Maßnahmen umgesetzt, die die Sicherheit für Mitarbeitende und Kund:innen erhöhen sollen. Nach dreijähriger Entwicklungszeit mit Testbetrieb und Pilotbetrieb stand 2024 weiter die Entwicklung der konzernweiten Sicherheitsplattform CSP im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Sicherheit am Bahnhof

DB-Konzern und Bundespolizei entwickeln ihre Sicherheitskonzepte kontinuierlich weiter. Der Bahnhof Berlin Südkreuz dient als Standort für die Erprobung neuer Technologien unter Praxisbedingungen. Unter wissenschaftlicher Begleitung wird die verkehrssichernde Anwendung von intelligenter Videotechnik erprobt und weiterentwickelt. Im Fokus stehen dabei eine automatisierte Erkennung von Personen im Gleisbereich, die Untersuchung der Bildung von Menschenansammlungen oder die Detektion von zurückgelassenen Gegenständen.

Die Studie »Sichere Bahnhöfe für alle«, die der DB-Konzern 2023 im Zusammenhang mit dem Sicherheitsbahnhof hat erstellen lassen, beleuchtet unterschiedliche Nutzungsformen verschiedener Akteure im Hinblick auf subjektive und objektive Sicherheit. Eine Erkenntnis ist das Erfordernis einer übergreifenden Zusammenarbeit, die soziale Angebote stärker in den Fokus nimmt und Menschen in sozialen Konflikten mehr Unterstützung bietet.

Die Wirkung von Sicherheitskonzepten mit sozialer Komponente wurde 2023 und 2024 mit sog. Bahnhofsläufer:innen an den Berliner Bahnhöfen Südkreuz und Ostbahnhof erprobt und steht für eine Adaptierung auf andere Standor­te, nach Ermessen der Bundespolizei und DB InfraGO bei ent­sprechenden Voraussetzungen, zur Verfügung. Einer der entscheidenden Faktoren für dieses niedrigschwellige sozia­­le Angebot ist die gesamthafte Betrach­tung des Bahnhofs und seines Umfelds. Daher ist der enge Schulterschluss mit den kommunalen Verantwortungsträgern, insbesondere ein gemeinsames Verständnis von Anforderungen und Zielen von Sicherheitsmaßnahmen, Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Bahnhofsläufer:innen.

Schutz der Infrastruktur

Das erwartete KRITIS-Dachgesetz erfordert große Anstrengungen von Betreibern komplexer Infrastrukturen wie dem DB-Konzern. Bereits in den letzten Jahren entwickelte der DB-Konzern in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) sowie dem BMDV Strategien für den Schutz der Infrastruktur, Schutzkonzepte sowie ein Berichts- und Meldewesen. Umgesetzt wurden die gezielte Anlage von technischen Redundanzen, eine konsequente technische Sicherung von Außenanla­­­gen sowie der Einsatz von 250 der geplanten 500 zusätzlichen Sicherheitskräfte für einen stärkeren Schutz der Eisenbahninfrastruktur.

Fußball-Europameisterschaft in Deutschland

Die UEFA-EURO-24-Fußball-Europameisterschaft stellte durch zusätzliche und verlängerte Fernverkehrszüge, zusätzliche Nahverkehrs- und S-Bahn-Züge an den Spielorten und viele Reisende auf dem Weg zu den Stadien und Fanmeilen einen hohen Anspruch an die Sicherheitsorganisation des DB-Konzerns. Für den Zeitraum der UEFAEURO 24 hat der DB-Konzern das Sicherheitspersonal für Züge und Bahnhöfe um rund 20% aufgestockt.

Nachhaltigkeitsindizes

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