Pünktlichkeit
Entwicklung im Berichtsjahr
Pünktlichkeit / in % | 2024 | 2023 | 2022 |
---|---|---|---|
Schiene DB-Konzern in Deutschland | 89,4 | 90,1 | 90,9 |
DB-Schienenpersonenverkehr in Deutschland | 89,5 | 90,3 | 91,0 |
DB Fernverkehr | 62,5 | 64,0 | 65,2 |
DB Regio 1) | 90,7 | 91,4 | 92,2 |
DB Cargo (Deutschland) | 68,0 | 70,5 | 66,1 |
DB Regio (Bus) | 85,9 | 85,2 | 86,0 |
DB Cargo | 68,2 | 69,7 | 66,3 |
Reisendenpünktlichkeit (DB Fernverkehr) | 67,4 | 68,9 | 69,3 |
Für die Messung der Pünktlichkeit erfassen wir kontinuierlich für jede durchgeführte Zug-/Busfahrt die Ist- im Vergleich zur Soll-Ankunftszeit. Die Ankunft der planmäßigen bzw. bis zu einer definierten Maximaldauer verspäteten Züge/Busse fassen wir im Pünktlichkeitsgrad zusammen.
1) Angepasst auf drittelgewichtete Darstellung (S-Bahn Wechselstrom, S-Bahn Gleichstrom, Regio Schiene ohne S-Bahn).
Die Pünktlichkeit im Schienenverkehr in Deutschland hat sich trotz intensiver Steuerung der Betriebsqualität weiter verringert. Gründe für diese Entwicklung waren:
- Schlechter Anlagenzustand: Die überalterte und überlastete Infrastruktur führt zu einer Vielzahl von Störungen u. a. im Bereich des Oberbaus oder bei Altstellwerken. Insbesondere aus den Oberbaustörungen resultiert eine hohe Anzahl an Langsamfahrstellen, die oft zu Verspätungen über einen längeren Zeitraum führen.
- Intensive Bautätigkeit und kurzfristige Bauplanungsprozesse: Auch 2024 wurde wieder ein sehr hohes Bauvolumen umgesetzt. V. a. im hochausgelasteten Engpassnetz führt das Baugeschehen häufig zu kritischen Streckenauslastungen und Beeinträchtigungen der Betriebsqualität. Neben der reinen Baumenge belasteten v. a. kurzfristige Baubedarfe die betriebliche Stabilität. Das führt unterjährig zu einer hohen Anzahl von Zügen, die von Baumaßnahmen betroffen sind (Baubetroffenheit), und Zusatzverspätungen.
- Hohe Verkehrsdichte: Das Wachstum von Verkehren findet zum größten Teil in den bereits heute hochbelasteten Verkehrsknoten wie Hamburg, Frankfurt am Main oder Köln statt. Diese punktuellen Überlastungen der Infrastruktur verursachen hohe Verspätungsübertragungen in das gesamte Netz.
- Personalengpässe: In einigen betrieblichen Schlüsselfunktionen ist die angespannte Arbeitsmarktlage besonders stark zu spüren, sodass es trotz der Bemühungen beim Recruiting und bei der Personalbindung schwierig ist, den operativen Personalbedarf zu decken (z. B. bei Fahrdienstleiter:innen).
- Fehlende Robustheit im System: Die betrieblichen Herausforderungen in allen Produktionsprozessen führen zu einer hohen dispositiven Last im gesamten Bahnbetrieb. Aufgrund der Überlagerung von Einzeleffekten führt jeder weitere Störeinfluss zu stärkeren und längeren Auswirkungen auf die Betriebsqualität.
- Weitere Ereignisse: Extremwetterereignisse wie das Hochwasser im Süden Deutschlands Anfang Juni 2024, Eingriffe in den Eisenbahnbetrieb durch Dritte und behördliche Einsätze führten zu weiteren negativen Pünktlichkeitseffekten. Darüber hinaus wirkten auch die Streiks der GDL.
Wesentliche Verbesserungsmaßnahmen in 2024
Um die Betriebsqualität zu verbessern bzw. zu stabilisieren, haben wir 2024 eine Vielzahl an Maßnahmen initiiert und umgesetzt. Diese Maßnahmen greifen auch in die Betriebsprozesse ein und versuchen u. a. über Paradigmenwechsel zu einer nachhaltigen Qualitätssteigerung zu kommen. Das bedeutet auch, dass die Wirkung dieser Maßnahmen häufig erst mittel- bis langfristig eintreten dürfte. Hinzu kommt, dass die Wirkung bereits implementierter Maßnahmen durch negative Struktur- und Einzeleffekte teils überkompensiert wird.
Aktionsplan pünktlichkeit
Der zu Jahresbeginn 2024 initiierte Aktionsplan Pünktlichkeit wurde umgesetzt. Aus den zu Beginn definierten Kernmaßnahmen »Zunahme der Planmäßigkeit zum Beginn der Zugfahrt«, »Abbau von außerordentlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen«, »Erhöhung der technischen Verfügbarkeit der Fahrzeugflotte« sowie »Stabilisierung in den großen Verkehrsknoten« und »Erhöhung Zuverlässigkeit der Information zu Störungsdauern« wurde ein Themenportfolio definiert, um die Qualität der Infrastruktur und des Bahnbetriebs zu verbessern und somit die Pünktlichkeit zu steigern. 2024 haben wir mit dem Aktionsplan Pünktlichkeit viele Maßnahmen weiterentwickelt, um die Voraussetzungen für zukünftige Verbesserungen zu schaffen.
Digitaler Produktionsverbund 2024
Der Digitale Produktionsverbund (DPV) soll den Rahmen für die zukünftige digitale Bahnproduktion setzen und damit wesentliche Beiträge zur Erhöhung der Pünktlichkeit und Kapazität, zur Optimierung der Fahrzeugverfügbarkeit sowie zur Senkung von Kosten leisten. Das Portfolio umfasste 2024 insgesamt 38 Maßnahmen und beinhaltet Verbund-, Geschäftsfeld- und DB InfraGO-Projekte. Im Bereich Pünktlichkeit konnte 2024 ein Effekt insbesondere bei DB Fernverkehr erzielt werden.
Stabilisierung des Bahnbetriebs und besseres Bauen mit SB²
Das 2023 gestartete Programm »SB² – Bauen im Takt« verfolgt den Anspruch, Fahren und Bauen besser miteinander in Einklang zu bringen und trotz anhaltend hoher Baubedarfe die Stabilisierung des Betriebs zu gewährleisten. Bauen im Takt bedeutet, für Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen einen getakteten Produktionsstandard in Form von standardisierten Sperrzeiten einzuführen: der sog. Container-Ansatz. Container bezeichnet hierbei eine solche standardisierte Sperrzeit. Dieser Ansatz ist die Voraussetzung dafür, das erforderliche Bauvolumen mit stabilen und v. a. fristgerecht kommunizierten Fahrplanzuständen in Einklang zu bringen.
Die Konzeptionsphase ist für die Instandhaltung (IH) abgeschlossen. Seit dem 15. Juli 2024 finden die Instandhaltungsarbeiten im Vier-Wochen-Takt in den IH-Containern des Typs Strecken statt. Diese IH-Strecken befinden sich in den Netzsegmenten mit hoher und sehr hoher Auslastung sowie auf ausgewählten Strecken des übrigen Netzes, die für baubedingte Umleitungen überregionaler Verkehre im Personen- und Güterverkehr relevant sind. Mehr als 80% der Instandhaltungsarbeiten wurden vom 15. Juli bis Ende Dezember 2024 auf den Strecken mit IH-Containern taktkonform durchgeführt, d. h. in einer bereits vorhandenen Sperrzeit ohne zusätzliche verkehrliche Belastung. Auch bei kurzfristigen Fehlerbehebungen an den Anlagen ist die Nutzung der IH-Strecken-Container gelungen, sodass erste Stabilisierungswirkungen im Betrieb erreicht wurden. Für 2025 ist für Strecken mit guten Anlagenzuständen eine Erweiterung des Container-Takts von vier auf acht Wochen geplant, um Kapazitätseinschränkungen zu reduzieren und die Belegung der Container weiter zu steigern. Ebenfalls vorgesehen ist die zeitliche Einkürzung der IH-Container von acht auf sieben Stunden.
Im ersten Quartal 2025 soll auch der nächste Umsetzungsschritt von »Bauen im Takt« abgeschlossen werden: Mit dem Roll-out der IH-Container vom Typ »Knoten« und »S-Bahn« komplettieren wir das Portfolio der IH-Container. Ebenfalls im ersten Quartal 2025 ist der Roll-out eines eigenen Container-Typs für Präventionsarbeiten vorgesehen. Die Umsetzung der IH- und Präventions-Container zielt darauf ab, dass wir unsere Anlagen dauerhaft in einem guten und robusten Zustand erhalten können und gleichzeitig für die EVU eine hohe Planbarkeit im Hinblick auf bauliche Einschränkungen gewährleisten können.
Die Invest-Container für größere investive Bautätigkeiten und Sanierungen werden aufgrund der erforderlichen Vorlauffristen planmäßig 2027 erstmals zur Anwendung kommen. Der hierfür angelaufene Planungsprozess hat bereits gezeigt, dass rund 70% der geplanten Baumaßnahmen innerhalb der definierten Container umgesetzt werden können. Die Invest-Container werden im Netzfahrplan berücksichtigt, sodass die Anzahl der unterjährigen Fahrplanregelungen deutlich sinken wird. Die Abbildung der Invest-Container im Netzfahrplan 2027 ist bereits in Vorbereitung und wird entsprechend den vorgesehenen Fristen abgeschlossen und im Markt konsultiert werden.
Mit »Bauen im Takt« stabilisieren wir nicht nur den Betrieb: Getaktete und standardisierte Zeitfenster für Bauarbeiten im Gleis zielen darauf ab, Bauzeiten und aufzuwendende Ressourcen vorausschauender zu planen. Neben der besseren Langfriststabilität in der Fahrplanerstellung soll dieser Ansatz unseren Partnern in der Bauwirtschaft mehr Vorlauf und Planungssicherheit in der Ressourcenbereitstellung ermöglichen.
Verbundprozess Bereitstellung und Zugfahrt durchführen
- PlanFahrt: Der Verbundprozess »Bereitstellung und Zugfahrt durchführen« (»PlanFahrt«) ist ein Zusammenschluss der am Bahnbetrieb beteiligten DB-Konzernunternehmen und über 20 regionaler Bahnunternehmen. Im Fokus steht, Herausforderungen in besonders stark frequentierten Knoten gemeinsam in Teams zu lösen. Bessere Schnittstellen und gemeinsame Datenauswertungen zielen darauf ab, Schwachstellen zu identifizieren, gemeinsame Lösungen zu entwickeln und auch die vorausschauende Planung zu verbessern. Im Rahmen des Aktionsplans Pünktlichkeit konnte der Verbundprozess auf diesem Wege 2024 mit über 100 Maßnahmen im Nah- und Fernverkehr die Qualität in den Knoten verbessern.
- FlexAbfahrten: Züge mit einer »FlexAbfahrt« können bei Bedarf früher den Bahnsteig verlassen, ohne dabei die offizielle Abfahrtszeit für die Reisenden zu verändern. Grundsätzlich ist für die startenden Züge eingeplant, dass es für die Vorbereitung zur Abfahrt einige Minuten braucht, bis der Zug tatsächlich abfährt. Dieser entsprechend als »betriebliche Abfahrt« gekennzeichnete Zeitpunkt liegt rund ein bis zwei Minuten hinter der den Reisenden bekannten »verkehrlichen Abfahrt«. Unter entsprechenden Bedingungen kann dieser Abstand verkürzt werden. Diese Züge verlassen Engpässe schneller und tragen somit dazu bei, Verspätungen auszugleichen. Dadurch erhalten wir einen zeitlichen Puffer, was besonders bei Strecken mit Baumaßnahmen oder unvorhergesehenen Störungen vorteilhaft ist.
- Schnellwenden: Fahrzeit sparen durch eine vorzeitige Wende. Um Fahrzeit einzusparen und den Verspätungsübertrag auf nachfolgende Fahrten zu vermeiden, kann der Zug z. B. am Bahnsteig wenden, anstatt ins Werk gefahren zu werden, wo er normalerweise für die nächste Fahrt vorbereitet wird. Dadurch soll es gelingen, dass sich seine Verspätung nicht auf andere Bereiche wie Zugpersonal, Infrastruktur und Disposition auswirkt. Um die Qualität auch bei den vorzeitigen Wenden sicherzustellen, werden u. a. mobile Reinigungsteams eingesetzt.
Maßnahmen als Teil des Sanierungsprogramms S3
Das Sanierungsprogramm S3 hat ein besonderes Augenmerk auf die betriebliche Stabilität. Die Kerntreiber bilden die Projektinhalte: Baugeschehen, Fahrzeugqualität und Resilienz im Nahverkehr sowie die betrieblichen Zusammenhänge auf Strecken und in Knoten. Die Pünktlichkeit gehört folglich mit zu den zentralen S3-Zielen. Die Projekte sind:
- Vertaktetes Bauen – SB²: Das Programm SB2 entwickelt die bereits dargestellten »Container«, die von vornherein im Fahrplan feste Zeiten für Instandhaltungs- und für Investitionsmaßnahmen vorsehen. Bis 2027 sollen so die unterjährigen Baubetroffenheiten um 30% gegenüber 2023 reduziert werden. Um die Ziele bei der unterjährigen
Baubetroffenheit 2025 zu erreichen, wollen wir die im Sommer 2024 eingeführten Instandhaltungscontainer optimieren. Dabei fließen die bisherigen Erfahrungen ein. - Fahrzeugqualität Fernverkehr: Wir optimieren unsere betrieblichen Einsatzkonzepte, modernisieren weiter unsere Fahrzeugflotte und steigern die Leistungsfähigkeit unserer Werke durch gezielte Investitionen in Instandhaltungskapazitäten. Ziel ist, so viele Züge so schnell wie möglich in bestmöglicher Fahrzeugqualität in den Einsatz zu bringen.
- Resilienzsteigerung Regio: DB Regio wirkt personalbedingten Fahrtausfällen mit intensiver Rekrutierung und Qualifizierung entgegen. So haben wir die Zahl der personalbedingten Ausfallkilometer 2024 mehr als halbiert. Um die Fahrzeugverfügbarkeit zu erhöhen, stärkt DB Regio die Verantwortung in den Regionen: Werke und Flotten sollen nicht mehr zentral, sondern vor Ort aus einer Hand koordiniert werden. Außerdem soll die Fahrzeugvielfalt und damit die Komplexität im Betrieb reduziert werden.
- Knoten- und Linienmaßnahmen: Viele Verspätungen entstehen derzeit in den hochbelasteten Knoten wie Hamburg, Frankfurt am Main oder Köln. Beim Start in den Tag gehen insbesondere in den Knoten wertvolle Minuten verloren. Die geplanten Knoten- und Linienmaßnahmen zielen daher darauf ab, pünktliche Starts abzusichern, die Verspätungswirkung von Knoten zu neutralisieren, Staus auf den Strecken etwa durch ungünstige Zugfolgen zu vermeiden und Zugfahrten so weit zu entkoppeln, dass sich Verspätungen im Tagesverlauf auffangen lassen, statt sie im System immer weiter aufzubauen.